Papst Johannes Paul II. – Patron des Friedens

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Die Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V., durch die am 28.4.2004
Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom mit dem Europäischen Friedenspreis ausgezeichnet wurde, hat ihn im Jahre 2014 anlässlich seiner Heiligsprechung, also 10 Jahre danach, als “Patron des Friedens” proklamiert.

Der Vorsitzende der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V., Hans-Joachim Ritter
(Rülzheim), hob in seiner Begründung hervor, dass sich Papst Johannes Paul II. wie kein anderer um den Weltfrieden verdient gemacht habe. Deshalb habe die Stiftung bereits im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung 2012 den Beschluss gefasst, Papst
Johannes Paul II. sobald er heilig gesprochen werde, als „Patron des Friedens“ zu
verkünden.
Der Papst habe schon zu Beginn seines Pontifikats in einer Rede bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen erklärt, dass die Friedensdiplomatie ein ganz wichtiges Ziel seines künftigen Wirkens sein würde.
Bei seiner Predigt in Mainz während seiner Deutschlandreise am 16. November 1980 bekräftigte er mit klaren Worten seine Friedensbotschaft: „Wir hoffen, dass die Sorge um den Frieden alle Verantwortlichen dazu bewegt, einen ständigen Dialog über die verschiedenen Probleme zu suchen – mögen diese auch noch so schwerwiegend und komplex sein -, um dadurch den so ersehnten Frieden von Tag zu Tag mehr zu festigen. Wie könnten wir nicht zugleich wünschen, dass auch das in Madrid
stattfindende Treffen über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit dazu beitragen möge, den Frieden zu stärken in voller Achtung der Rechte eines jeden Menschen und eines jeden Volkes, einschließlich der Religionsfreiheit, auf der Grundlage der in der Schlussakte von Helsinki anerkannten Prinzipien. Möge die wirksame Anwendung dieses berechtigten Kriteriums der Rechte des Menschen und der Rechte der einzelnen Völker, großer oder kleiner, aus dem Leben der Menschheit jede Form von Imperialismus, Aggression, Herrschaft, Ausbeutung und Kolonialismus verbannen! Das sage ich auch als Sohn einer Nation, die jahrhundertelang sehr viel gelitten hat und diese Rechte des Menschen und des Volkes mit aller Entschiedenheit zu verteidigen gezwungen war.“

Mit seiner Pilgerreise in seine polnische Heimat zu Beginn seines Pontifikats hat der Pole Karol Wojtyla seinen Landsleuten Hoffnung auf Veränderung gegeben. Die
kommunistische Regierung konnte letztendlich den Aufbruch in der Bevölkerung nicht mehr aufhalten. Der Papst war zutiefst überzeugt, dass der Kommunismus von innen her morsch sei und folglich die Machthaber und Verwalter dieses Systems selbst nicht mehr daran glauben. Ende der siebziger Jahre sprachen polnische Funktionäre unverhohlen, nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand davon, dass man die Ideologien vom Aufbau des Sozialismus, von Klassenkampf und einem Arbeiter- und Bauernstaat als aufgeklärter Mensch nicht mehr ernst nehmen könne. Doch Papst Johannes Paul II. wusste nur zu gut, dass eine direkte Konfrontation mit den Parteifunktionären zur Machtdemonstration anspornen würde. Deshalb rief der Papst bei seinem Amtsantritt aus: „Reißt die Tore weit auf für Christus! Seiner rettenden Macht öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Gebiete der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts!“ Dagegen ließ sich nichts sagen – weder in Moskau noch in Warschau oder in Ost-Berlin. Aber beim Wort genommen, war es der Untergang eines Systems, das nur umschlossen von Mauern und Stacheldraht Bestand hatte. Zu dem Satz am Anfang seiner Amtszeit kam ein zweiter von nicht geringerer Sprengkraft, acht Monate
später, bei seinem ersten Besuch in seine polnische Heimat. Die Staats- und Parteiführung wollte diese Visite unbedingt verhindern – vergeblich. Der zweite Satz tilgte mit freundlicher Ironie – einen geheiligten Grundsatz langjähriger ‚Koexistenz’, die oberste Spielregel während des Kalten Krieges zwischen den Blöcken von West und Ost: Das Prinzip der Nichteinmischung.
Der Papst rief zu Beginn des von Millionen gesäumten Triumphzuges am 4. Juni 1979 zu den Vertretern des polnischen Staates zu: „Gestatten Sie mir, meine Herren, das Wohl Polens auch weiterhin als das meine zu betrachten und zutiefst daran Anteil zu nehmen, ganz so, als ob ich noch in diesem Lande lebte und Bürger dieses Staates wäre.“
Dagegen konnte niemand ernsthaft etwas sagen. Konnten man einem Sohn Polens, der zu solchen Ehren der Weltkirche gelangte, die Sorge für Polen abschlagen? Am liebsten hätten die damaligen Machthaber in Warschau den Versuch unternommen, einen Brief des Papstes an seine Landsleute mit Hilfe der Zensur zu unterdrücken. Doch es half nichts. Die Gewerkschaft, die sich dann in Polen als freie und unabhängige Arbeiter-Vertretung bildete, nannte sich schlicht „Solidarnosc“, Solidarität, einem Prinzip der katholischen Soziallehre. Durch seine kräftige moralische, aber auch finanzielle Unterstützung war in Polen durch die Gewerkschaft Solidarnosc zugleich die Kirche plötzlich allgegenwärtig. Eine Bewegung kam ins Rollen, die nicht mehr aufzuhalten war und zur Auflösung des kommunistischen Ostblocks führte. Geschickt begleitete der Papst die Vorgänge Polens und kommentierte sie mahnend von der vatikanischen Weltkanzel aus Woche für Woche. Er schaffte es, die Gewerkschaft zu mäßigen und zugleich zu ermutigen. Er drehte die Verhängung des Kriegsrechts durch den Militärdiktator Jaruselski zu Forderungen der Bürger um. Er wurde zum Grund des neuen Selbstbewusstseins des Aufbegehens der Arbeiter gegen das Regime und zugleich auch Garant der Ordnung.
Dies war eine geglückte Leistung zugunsten der Menschenrechte, der freiheitlichen
Demokratie und eines neuen Europas.

Als im Mai 1981 ein Attentat gegen den Papst verübt wurde, richtete sich der Verdacht gegen kommunistische Regime. Davon ließ er sich nicht beirren und führte seine Ostpolitik geduldig weiter – bis Ost und West nicht mehr länger getrennt waren. Der ehemalige Gewerkschaftsführer Lech Walesa wurde in Polen sogar Staatspräsident. Die diplomatischen Fäden des Papstes gingen sehr weit. Seinem segensreichen Wirken war auch der Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 mit zu verdanken. Er hat mit seiner Ostpolitik im Stil der Konsultationen und des Dialogs neue Akzente gesetzt. So konnte er die Entwicklungen des Verfalls des kommunistischen Ostblocks und die Öffnung zum Westen maßgeblich mit beeinflussen. Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow schrieb im März 1992 nach der Öffnung der Berliner Mauer, nach der
Auflösung des Kommunismus als Ideologie und dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime im östlichen Europa, schließlich nach seinem Rücktritt von der führenden Position einer Supermacht: „Was in Osteuropa in den letzten Jahren geschehen ist, wäre nicht möglich gewesen ohne diesen Papst, ohne die große, auch politische Rolle, die Johannes Paul II. im Weltgeschehen gespielt hat.“

Als der Papst im Jahre 1996 in Berlin am Brandenburger Tor stand, war die Öffnung des Eisernen Vorhangs bereits erfolgt. Der Kommunismus war zerbrochen. Jetzt sah er eine neue Gefahr: die des Kapitalismus und des reinen Materialismus, vor der er warnte. Die Solidarität mit den Armen, das Anprangern sozialer Missstände, das Einfordern der Menschenrechte gehörten neben seinem stetigen Friedensappellen zu seinem zentralen politischen Programm.
Im Vorfeld des Irakkrieges im Jahr 2003 zog der Papst alle möglichen diplomatischen
Fäden, wenn diese Bemühungen auch den Krieg letztlich letztendlich nicht erhindern
konnten. Doch für zahlreiche Regierungschefs wurde Johannes Paul II. zu einem ganz wichtigen Gesprächspartner und Friedensvermittler. Im März 2003 rief der Papst in einer leidenschaftlichen Sonntagspredigt den vielen jungen Leuten auf dem Petersplatz unter anderem zu: „Ich gehöre zu jener Generation, die sich an den 2. Weltkrieg erinnert, die ihn dank Gottes Hilfe überlebt hat. Deshalb rufe ich den jungen Menschen, den zu jungen Menschen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, zu: Nie wieder Krieg!“

Nach Auffassung der Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V. wurde Papst Johannes Paul II. zur wichtigsten moralischen Friedensautorität unserer Zeit.