Neujahrsansprache des Präsidenten der Stiftung für Ökologie und Demokratie, Hans-Joachim Ritter

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
die letzten vergangenen Jahre waren die wärmsten seit der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1881. Wir alle bekamen die Auswirkungen des Klimawandels durch extreme Hitze und Trockenheit, Stürmen und Starkregen bereits deutlich zu spüren. Wenn die Staatengemeinschaft weltweit nicht zu mehr und wirksameren Klimaschutzmaßnahmen bereit ist, werden die Auswirkungen des Klimawandels auch in unseren Breiten bald  unerträglich. Die Weltklimakonferenz in Madrid endete mit einem völlig unbefriedigendem Kompromiß. Nach heutigem Stand sieht es nicht so aus, dass das Klimaziel der Pariser Klimarahmenvereinbarung erreicht werden kann. Drastische Klimaauswirkungen weltweit werden die Folge sein, auch wenn dies die  Staatspräsidenten der USA und Brasilien nicht wahrhaben wollen. Klimaschutz und Klimawandelanpassung sind große Themen, für die wir uns schon seit Jahren einsetzen.
Aktuell führen wir das Projekt „KlimawandelAnpassungsCOACH_RLP“ durch, mit dem 14 Kommunen in Rheinland-Pfalz im Hinblick auf die Auswirkungen des Klimawandels von uns gecoacht werden. Mit dem Netzwerkprojekt „grEEN Palatina“ unserer EnergieAgentur Speyer-Neustadt/Südpfalz coachen wir 10 große produzierende  Industrieunternehmen, um Energie, Kosten und CO 2 einzusparen. Ebenfalls sind wir mit unserer EnergieAgentur an einem Pilotprojekt zur Wasserstofftechnologie in der Region Rhein-Neckar beteiligt, einer echten Zukunftstechnologie, die Speicherfähigkeit besitzt und der bisher leider zu wenig Beachtung geschenkt wurde.
Am Anfang des Neuen Jahres 2020 stehen wir aber noch vor vielen weiteren großen Herausforderungen:
Vor allem blicken wir mit einer gewissen Hilflosigkeit auf die zahlreichen kriegerischen Konflikte wie beispielsweise im Nahen Osten, vor allem in Syrien, aber auch die ständigen militärischen Drohungen und Steigerung der Rüstungsspirale durch  machthungrige Despoten auf der Weltbühne. Mit dem Jahr 2020 stehen wir im 75. Jahr des Friedens nach dem 2. Weltkrieg. Viele Generationen vor uns hatten nicht das Glück, so lange Friedenszeiten zu erleben. Deshalb ist es wichtig, dass Europa ein Hort des Friedens und der Stabilität bleibt. Symbole der europäischen Idee, der Einheit, des Friedens und der christlichen Werte sind die großen romanischen und gotischen Dome zu Speyer, Aachen, Köln, Paris, Reims und Metz.
Nach wie vor ist die Migration eine große Herausforderung. Kriege aber auch der Klimawandel sind häufige Ursachen der Flüchtlingsströme. Doch weithin versagt die Entwicklungs-
hilfepolitik, die nach dem Grundsatz handeln sollte „Hilfe zur Selbsthilfe“, um dadurch zur Fluchtursachenbekämpfung beizutragen.

Erfreulicherweise setzen sich viele in unserem Land – zum Teil mit Erfolg – ein wie das Volksbegehren der ÖDP in Bayern zum Schutz der Biodiversität und der Bienen für den Natur- und Tierschutz. Für den Klimaschutz, den Tier- und Naturschutz lassen sich Hunderttausende bewegen, auf die Straße zu gehen. Wir sehen allerdings mit Sorge, dass sich im Vergleich dazu noch zu wenige Menschen einsetzen, wenn es um das menschliche Leben geht, sowohl am Anfang durch Tötung des ungeborenen Lebens als auch am Lebensende durch Tötung durch Verlangen. Immerhin waren beim letzten „Marsch für das Leben“ der Lebensschutz-organisationen im September in Berlin mit rund 8.000 Menschen mehr als je zuvor auf den Beinen, um für das menschliche Leben zu demonstrieren. Doch wer sich dafür einsetzt, wird meist ausgegrenzt, nicht nur als „konservativ“ und „frauenfeindlich“, sondern häufig sogar als „reaktionär“, „rechts“, „braun“ und „faschistisch“ diskriminiert. Gerade konservative Parteien sollten den Mut aufbringen, sich klarer zu positionieren.
Auch bei der politisch gewünschten verstärkten Digitalisierung sehen wir große Probleme, insbesondere bei 5G. Zum Einen drohen gesundheitliche Gefahren durch zunehmende Verstrahlung aufgrund weiterer Sendeanlagen, zum Anderen fürchten wir negative Auswirkungen auf unsere Demokratie durch Manipulation von Meinungen und schließlich möchten wir warnen vor dem zu frühen und schrankenlosen Gebrauch des Internets von Kindern und Jugendlichen. Zahlreiche Pädagogen warnen bereits seit längerer Zeit davor.
Neben vielen Gefahren und Bedrohungen, die uns umgeben, sollten wir stets auch das Positive sehen und daran arbeiten, dass sich die Welt im guten Sinne weiter entwickelt. Dazu möchte ich Sie herzlich ermutigen, die Möglichkeiten, die uns allen zur Verfügung stehen, aktiv zu ergreifen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gelingendes, erfolgreiches und friedliches Jahr 2020

Ihr

Hans-Joachim Ritter

Neujahrsansprache 2020 als PDF