Nachruf Stiftung trauert um Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger

Die Stiftung für Ökologie und Demokratie e.V. trauert um ihr Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, der am 18. Januar im Alter von 88 Jahren verstorben ist. 25 Jahre war er Mitglied des Kuratoriums der Stiftung. Am 19.6.1999 wurde er vom Stiftungsvorsitzenden Hans-Joachim Ritter im Rahmen einer Feierstunde zur Vollendung seines 70. Lebensjahres in St. Gallen erstmals mit dem Preis „Goldener Baum“ ausgezeichnet.

Hans Christoph Binswanger, geb. 1929 in Zürich, lehrte von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1994 als ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Von 1967 bis 1992 war der Direktor der Forschungsgemeinschaft für Nationalökonomie, seit 1980 geschäftsführend. Von 1992 – 1995 wirkte er als Direktor des neu gegründeten Instituts für Wirtschaft und Ökologie. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählten Umwelt- und Ressourcenökonomie, Geldtheorie, Europäische Integration und ökonomische Theoriegeschichte.

Er leitete eine mehrjährige Forschungsarbeit zum Thema „Wege aus der Wohlstandsfalle – Strategien gegen Arbeitslosigkeit und Umweltkrisen“. Dies war auch der Titel eines oft zitierten Reports, der im Jahre 1978 im Fischer-Verlag erschienen ist. Binswanger veröffentlichte desweiteren zahlreiche Bücher wie beispielsweise „Arbeit ohne Umweltzerstörung“ (1983), „Geld und Magie“ (1985), „Geld und Natur“ (1998), „Die Glaubensgemeinschaft der Ökonomen” (1998) und „Die Wachstumsspirale“ (2006).

Prof. Binswanger war der erste Wissenschaftler, der Wege entwickelte, wie man mit steuerpolitischen Maßnahmen die Umwelt schützen und gleichzeitig die Lohnnebenkosten senken kann. Er erfand die „Ökologische Steuerreform“, mit der die Lohnnebenkosten entlastet und nach dem Verursacherprinzip der Energieverbrauch höher besteuert werden sollte.

Im politischen Raum hatte die ÖDP unter ihrem damaligen Bundesvorsitzenden Dr. Herbert Gruhl die Öko-Steuer-Idee erstmals in die Programmatik einer politischen Partei in Deutschland aufgenommen. Zahlreiche Institute und Umweltverbände wie der BUND nahmen diese Idee auf bis sie schließlich teilweise von der rot-grünen Bundesregierung umgesetzt wurde.

Sein Tod hinterlässt eine große Lücke. Wir trauen um ihn und werden das Andenken an seine großartige Lebensleistung stets mit großem Respekt und in Dankbarkeit bewahren.