{"id":787,"date":"2016-12-27T20:00:12","date_gmt":"2016-12-27T18:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftung-oekologie-u-demokratie.de\/T\/?p=787"},"modified":"2016-12-27T20:01:19","modified_gmt":"2016-12-27T18:01:19","slug":"neujahrsbotschaft-des-vorsitzenden-der-stiftung-fuer-oekologie-und-demokratie-e-v-hans-joachim-ritter-zum-start-in-das-jubilaeums-jahr-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftung-oekologie-u-demokratie.de\/T\/neujahrsbotschaft-des-vorsitzenden-der-stiftung-fuer-oekologie-und-demokratie-e-v-hans-joachim-ritter-zum-start-in-das-jubilaeums-jahr-2017\/","title":{"rendered":"Neujahrsbotschaft des Vorsitzenden der Stiftung f\u00fcr \u00d6kologie und Demokratie e.V., Hans-Joachim Ritter, zum Start in das Jubil\u00e4ums-jahr 2017"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Freunde unserer Stiftung,<br \/>\nmeine sehr geehrten Damen und Herren,<\/p>\n<p>wieder stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Was wird es uns bringen? Viele Menschen in unserem Lande sind besorgt aufgrund der Terrorbedrohungen des IS, der nicht nur in den arabischen Staaten sein menschenverachtendes, \u00fcbles Spiel treibt, sondern auch mitten in Europa. Und es blieb bei uns nicht nur bei Terrordrohungen. Es kam wie zuletzt in Berlin zu schrecklichen Anschl\u00e4gen fanatisierter \u201eGotteskrieger\u201c, die sich auf den Islam berufen und alles zerst\u00f6ren wollen, was jene errichtet haben, die nicht so sind, wie sie selbst. Ihr Kampf richtet sich sowohl gegen unsere Kultur als auch gegen die Kultur des Altertums. Beispielsweise wurden die geschichtstr\u00e4chtigen Bauwerke des Altertums in Aleppo oder Palmyra, die auf der Welterbeliste der UNESCO stehen, dem Erdboden gleich gemacht.<\/p>\n<p>Unsere Werte sind nicht deren Werte. Umso mehr stellt sich gerade in solchen Zeiten zum Beginn des Neuen Jahres die Frage: Welche Werte haben wir \u00fcberhaupt? Was gilt es zu verteidigen? Fr\u00fcher war es eindeutig: Es waren die christlichen Werte. Doch heute hat man immer mehr das Gef\u00fchl, alles l\u00f6st sich auf, alles wird in Frage gestellt. Dieser Eindruck verst\u00e4rkt sich, wenn man gleichzeitig erlebt, da\u00df immer mehr Menschen ihre religi\u00f6sen Bindungen verlieren und damit innerlich heimatlos werden. \u201eGibt es noch einen gesellschaftlichen Wertekonsens?\u201c wird deshalb das Thema einer Tagung sein, die wir am 20\/21. Oktober in der Frankenakademie Schney veranstalten werden.<\/p>\n<p>An der Schwelle zum Jahr 2017 haben aber viele Menschen nicht nur \u00c4ngste vor Terrorakten auch in Europa, den zu erwartenden gro\u00dfen\u00a0 gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen durch immer mehr islamische Einflu\u00dfnahme, sondern auch vor Staatsm\u00e4nnern, die ihre Politik statt auf Sachargumenten auf Vermutungen, Unterstellungen und Halbwahrheiten st\u00fctzen und damit die erw\u00fcnschten Stimmungen und Gef\u00fchle erzeugen. Die nachfolgend angef\u00fcgten\u00a0 be\u00e4ngstigenden Aussagen des k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidenten der USA, Donald Trump, aus seinem Wahlkampf hat unser Schatzmeister Ulrich Brehme zusammengestellt.<\/p>\n<p>Trotz vieler negativer Entwicklungen global wie in Deutschland oder Europa wollen wir auch im Neuen Jahr den Mut nicht sinken lassen und hoch motiviert unsere Aufgaben erf\u00fcllen, n\u00e4mlich zur \u00d6kologisierung unserer Gesellschaft als anerkannter Tr\u00e4ger der politischen Bildung beizutragen. Dabei ist uns bewu\u00dft, da\u00df ein harmonisches Zusammenleben in unserer Gesellschaft besser funktioniert auf der Basis eines breiten Wertekonsenses. Gerade das Jahr 2017, in dem wir unser 25-j\u00e4hriges Bestehen feiern k\u00f6nnen, wird f\u00fcr uns eine besondere Herausforderung sein.<\/p>\n<p>Ich lade Sie ein, sich f\u00fcr unsere Veranstaltungen wie Tagungen und Bildungsreisen zu interessieren und daran nach M\u00f6glichkeit teilzunehmen.<\/p>\n<p>Erheben Sie mit mir genau zum Jahreswechsel um 0 Uhr Ihr Glas, um auf diese Weise miteinander zu Beginn unseres Jubil\u00e4umsjahres verbunden zu sein.<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe, verbunden mit den besten W\u00fcnschen f\u00fcr das Neue Jahr,<br \/>\nverbleibe ich<\/p>\n<p>Ihr<\/p>\n<p>Hans-Joachim Ritter<br \/>\nVorsitzender<\/p>\n<p>Zusammenstellung von Texten zur Wahlkampfstrategie von Donald Trump:<\/p>\n<p>10.12.2016: DLF: &#8222;Politik 4.0 Online-Manipulation der W\u00e4hler&#8220; (Interview mit Peter Welchering)<br \/>\n05.12.2016: FAZ: &#8222;Trumps digitale Kampagne Das Ende des Wahlkampfs, wie wir ihn kennen&#8220; (von Mathias M\u00fcller von Blumencron) mit einem Leserbrief 03.12.16: Das Magazin Nr.48: &#8222;Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt&#8220; (von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus)<br \/>\nDer Psychologe Michal Kosinski hat einen Pers\u00f6nlichkeitstest entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook mit 5 Eigenschaften zu analysieren.<br \/>\n22.10.2016: DLF: &#8222;Wahlkampf Die Macht der Social Bots&#8220; (von Ronald Menn) 30.10.2016: FAZ: &#8222;Digital campaigning in Amerika&#8220;, Interview mit Jim Walsh (von Oliver Georgi) Jim Walsh ist Wahlkampfberater f\u00fcr die Demokraten.<br \/>\n18.06.2016: DLF: &#8222;Social BotsKampf gegen die automatisierte Netzpropaganda&#8220; (von Benedikt Schulz)<br \/>\n27.12.2014: DLF: &#8222;Soziale NetzwerkeDiskussion mit Propaganda-Bots&#8220; (Peter Welchering im Gespr\u00e4ch mit Manfred Kloiber)<br \/>\n31.08.2013: FAZ: &#8222;Wie Big Data das Wahlgeheimnis aushebelt&#8220; (von Stefan Schulz) zum Wahlkampf zur Wahl Obamas<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;.<br \/>\nhttp:\/\/www.deutschlandfunk.de\/politik-4-0-online-manipulation-der-waehler.684.de.html? dram:article_id=373640<br \/>\n10.12.2016<br \/>\nPolitik 4.0<br \/>\nOnline-Manipulation der W\u00e4hler<br \/>\nSeit Tagen wird intensiv \u00fcber den Einsatz von Bots im Bundestagswahlkampf diskutiert. Ausgel\u00f6st hat die Debatte Alexander Nix, Chef von Cambridge Analytica. Er behauptet, Donald Trump habe die US-Pr\u00e4sidentschaftswahl dank Big-Data-Analysen seiner Firma gewonnen. IT-Experte Peter Welchering widerspricht.<br \/>\nDurch Netz\u00fcberwachung gewonnene Benutzerprofile sind die Grundlage f\u00fcr individuell zugeschnittenes Direktmarketing durch Propaganda-Algorithmen<br \/>\nSoziale Netzwerke Diskussion mit Propaganda-Bots<br \/>\n&#8222;Ich m\u00f6chte sehr gerne meinen Wahlkampf, der ja jetzt im n\u00e4chsten Jahr ansteht, auch in den sozialen Medien f\u00fchren, aber nicht auf der Grundlage von gekauften Daten.&#8220;<\/p>\n<p>Manfred Kloiber: So \u00e4u\u00dferte sich am Mittwoch dieser Woche die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken auf der Open-Data-Konferenz in Stuttgart. Seit Tagen wird ja intensiv \u00fcber den Einsatz von Big-Data-Algorithmen im Wahlkampf diskutiert.<br \/>\nAusgel\u00f6st hat diese ein bisschen aufgeregte Debatte Alexander Nix, der Chef von Cambridge Analytica. Der hat n\u00e4mlich behauptet, dass Donald Trump die amerikanischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen gewonnen habe, weil er die Big-Data-Analysen von Cambridge Analytica eingesetzt habe.<br \/>\nMein Kollege Peter Welchering ist der Frage nachgegangen, welche Rolle Big-Data-Algorithmen im amerikanischen Wahlkampf gespielt haben und womit wir im Bundestagswahlkampf 2017 rechnen m\u00fcssen.<br \/>\nPeter, hat Donald Trump tats\u00e4chlich mit auf Facebook eingesetzter Big-Data-Technologie die Wahl entschieden?<br \/>\nPeter Welchering: Definitiv Nein. Mit Facebook allein gewinnt man keine Wahlen, mit Twitter auch nicht. Daf\u00fcr sind die Streuverluste viel zu hoch. Trump hat etwas anderes gemacht. Er hat Daten eingekauft.<br \/>\nUnd insofern hat Alexander Nix von Cambridge Analytica Recht, wenn er sagt, dass Big-Data- Algorithmen f\u00fcr die Wahlentscheidung wichtig waren, Nix \u00fcbertreibt aber, wenn er in Aussicht stellt, mit den richtigen Big-Data-Werkzeugen k\u00f6nne jeder noch so untalentierte Politiker Wahlen gewinnen. Und er verschweigt die schmutzige Seite der Big-Data-Medaille, n\u00e4mlich dass der Trump-Wahlerfolg auch ein Ergebnis der l\u00fcckenlosen Netz\u00fcberwachung war.<br \/>\nWas Jared Kushner, der Schwiegersohn und Online-Wahlkampfleiter von Donald Trump, n\u00e4mlich gemacht hat, war politisches Direktmarketing auf der Grundlage von pers\u00f6nlichen Profilen. Und die entstehen durch l\u00fcckenlose \u00dcberwachung der Netznutzer. Man k\u00f6nnte auch sagen: Das war W\u00e4hlermanipulation auf Online-\u00dcberwachungsbasis.<br \/>\nKloiber: Ja, das ist f\u00fcr Menschen, die an freie Wahlen und an die Demokratie glauben, schon harter Tobak. Deshalb h\u00f6ren wir uns erst einmal an, wie dieses politische Direktmarketing technisch funktioniert.<br \/>\nL\u00fcckenlose Netz\u00fcberwachung als Grundlage f\u00fcr politisches Direktmarketing<br \/>\nDas Wahlkampfteam von Donald Trump hat das gemacht, was Unternehmen schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich betreiben: Online-Marketing! Einige Experten nennen es auch Online- Manipulation.<br \/>\nDas britische Unternehmen Cambridge Analytica verf\u00fcgt \u00fcber pers\u00f6nliche Profile von 230 Millionen Amerikanern. Die hat die Wahlkampfleitung von Donald Trump als Datenbasis gekauft. Eigens entwickelte Propaganda-Algorithmen haben dann individuelle Botschaften an die potenziellen Trump-W\u00e4hler geschickt.<br \/>\nEr gab das Online-Profiling zum Beispiel, dass ein W\u00e4hler Muslime nicht mag, er aber unsicher ist, ob Trump auch hart genug gegen Muslime vorgehen wird, wurde ihm ein passgenauer Text zugeschickt, in dem ihm die Politik Trumps gegen Muslime so erl\u00e4utert wurde, wie es seiner Vorstellung entsprach. Ein W\u00e4hler, der die Krankenversicherung Obama Care zur\u00fcckgedreht haben wollte, erhielt individuell angepasste Mails, in denen Trump die R\u00fccknahme genau der kritisierten Teile von Obama Care ank\u00fcndigte.<br \/>\nUm solche individuellen Botschaften von Propaganda-Software erstellen zu lassen, sind sehr viele Daten \u00fcber die Empf\u00e4nger n\u00f6tig. Datenexperte Karsten Schramm, der einst GMX gegr\u00fcndet hat und heute Aufsichtsratsvorsitzender des IT-Unternehmens Brabbler AG ist, erkl\u00e4rt, wie diese Daten gesammelt werden:<br \/>\n&#8222;Die Anbieter von kostenlosen Websites, die m\u00fcssen ihr Angebot refinanzieren und arbeiten deswegen mit Datensammlern zusammen. Die bekommen kleine Schnipsel in ihre Homepage rein. Und diese Snippets sorgen daf\u00fcr, dass der Datensammler von Ihrem Besuch auf der Seite erf\u00e4hrt. Gleichzeitig wird in aller Regel ein Cookie auf Ihren Rechner gesetzt mit einer eindeutigen User- Kennung, so dass Sie dann, auch wenn Sie sich auf anderen Seiten tummeln, als solcher User eindeutig wiedererkannt werden k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nVon jedem einzelnen Netznutzer m\u00fcssen die Wahl-Propagandisten wissen, welche politische Einstellung er hat. Wie ausgepr\u00e4gt seine Vorstellungen sind und ob er in seiner Wahlentscheidung noch schwankt oder festgelegt ist.<br \/>\nKarsten Schramm:<br \/>\n&#8222;Man kann auswerten, was er in irgendwelchen Foren geschrieben hat, also in Kommentaren zu irgendwelchen Artikeln oder auch in Benutzergruppen. Wenn Sie diese Inhalte nach gewissen Stichpunkten, Stichworten durchsuchen, oder wenn Sie, was ja zum Beispiel bei Google \u00fcblich ist, den E-Mail-Verkehr des entsprechenden Benutzers nach Schl\u00fcsselworten durchsuchen, dann bekommen sie nat\u00fcrlich sehr schnell ein klares Bild davon, was der eigentlich f\u00fcr Interessen hat.&#8220;<br \/>\nL\u00fcckenlose Netz\u00fcberwachung ist die Grundlage f\u00fcr solches politisches Direktmarketing. Und damit wird nicht nur der Politikbetrieb in den USA ver\u00e4ndert, sondern auch der bei uns in Deutschland.<br \/>\nDer Informatik-Professor J\u00f6rn von Lucke von der Zeppelin-Universit\u00e4t in Friedrichshafen sch\u00e4tzt das so ein:<br \/>\n&#8222;Mit dem Internet der Dinge, mit dem Internet der Dienste, mit Online-Bots, mit Robo-Bots, mit Social Bots werden wir Ver\u00e4nderungen in die Wahlk\u00e4mpfe kriegen, mit denen wir rechnen m\u00fcssen. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass es nicht nur Freunde der offenen Gesellschaft gibt, sondern auch Feinde, und diese werden diese auch nutzen, um im Wahlkampf ihre Position einzubringen, um mit Desinformation und Gegenpropaganda ihre eigenen Punkte auch zu setzen.&#8220;<br \/>\nPolitik 4.0 nennen die Experten diese Entwicklung, die auch viele Politiker hierzulande irritiert. Der baden-w\u00fcrttembergische Landtagsabgeordnete von B\u00fcndnis90\/Die Gr\u00fcnen, Alexander Salomon, warnt deshalb.<br \/>\n&#8222;Ich glaube schon, dass man immer vorsichtig sein muss, was Menschen oder was auch Interessensgruppen aus m\u00f6glichen Daten auch am Schluss des Tages machen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Eine W\u00e4hlerstimme ist im politischen Direktmarketing ein Handelsgut, mehr nicht&#8220;<br \/>\nKloiber: Was Menschen und Maschinen aus Daten alles machen, das ist in der Tat die spannende Frage. Diskutiert wurde in der vergangenen Woche ja auch, ob die Big-Data-Algorithmen hier nicht einfach \u00fcbersch\u00e4tzt werden. \u00dcberh\u00f6ht in ihrer Wirkung auf den Menschen, was die politische Manipulation angeht. Sch\u00e4tzen beispielsweise Alexander Nix und seine Big-Data-Experten die Streuverluste bei politischer Werbung auf Facebook richtig ein, Peter?<br \/>\nWelchering: Nein, solche Streuverluste haben Alexander Nix und seine Leute v\u00f6llig untertrieben. Aber sie m\u00fcssen diese Streuverluste auch gar nicht beachten. Es geht n\u00e4mlich nicht um politische Werbung auf Facebook. Es geht um individuelle Manipulation, indem einzelnen Menschen genau das versprochen wird, was sie sich politisch gerade w\u00fcnschen &#8211; v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, wie unrealistisch das ist oder ob diese W\u00fcnsche zu den politischen Inhalten des Kandidaten passen. Und solche individuelle politische Propaganda kann eben nur noch von Algorithmen geleistet werden, nicht mehr von Menschen.<br \/>\nKloiber: Wie sind diese Algorithmen aufgebaut?<br \/>\nWelchering: Da gibt es das Analysemodul. Aus den Daten der Netz\u00fcberwachung werden die politischen Erwartungen eines einzelnen Menschen analysiert. Das Semantik-Modul schreibt dann die dazu passende Botschaft. Und die wird dann an diesen Netznutzer und W\u00e4hler verschickt. Wenn noch etwas mehr Geld im Budget ist, wertet dann das Feedback-Modul aus, wie sich diese Propaganda-Botschaften auf das Kommunikationsverhalten des Empf\u00e4ngers im Internet, auf den sozialen Plattformen, in den Diskussionsforen ausgewirkt hat.<br \/>\nKloiber: Hat der Einzelne eigentlich noch eine Chance, sich dieser massiven Manipulation bei seiner politischen Meinungsbildung zu entziehen?<br \/>\nWelchering: Das ist schwierig. Eine solche Chance hat er nur, wenn er die Wahlwerbung f\u00fcr das nimmt, was sie ist: Werbung, Propaganda. Nur wer sich klarmacht, dass hier mit manipulativen Mitteln &#8211; wir machen genau das, was Du, W\u00e4hler willst, und das sind 1., 2., 3. &#8211; nicht f\u00fcr Inhalte geworben wird, sondern um eine Stimme bei einer Wahl. Und solch eine Stimme ist im politischen Direktmarketing ein Handelsgut, mehr nicht. Das muss in den demokratischen Gesellschaften aufgekl\u00e4rt werden.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;.<br \/>\nhttp:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/wahl-in-amerika\/donald-trump-siegt-bei-us-wahl-2016-durch- social-media-14559570.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2<br \/>\nTrumps digitale Kampagne Das Ende des Wahlkampfs, wie wir ihn kennen<br \/>\nNach und nach wird bekannt, mit welcher technologischen Unterst\u00fctzung Trump gewonnen hat. Es war eine Kampagne kunstvoller digitaler Manipulation. Schon interessieren sich Europas Populisten f\u00fcr seine Strategien.<br \/>\n05.12.2016, von Mathias M\u00fcller von Blumencron<br \/>\nWer eine Wahl gewinnen musste, musste fr\u00fcher die \u00dcbermacht im Fernsehen und im Radio erlangen. Heute geht es um die \u00dcbermacht in den sozialen Netzwerken.<br \/>\nEs ist erst ein paar Wochen her, da bel\u00e4chelte noch halb Amerika Donald Trump als digitalen Analphabeten; einen Mann, dessen Mailverkehr daraus bestand, seinen Assistenten handgeschriebene Zettel zu reichen, und dessen digitale Fertigkeiten sich darin ersch\u00f6pften, ungeschminkte S\u00e4tze \u00fcber den Kurznachrichtendienst Twitter ins Netz zu blasen. Seine Rezeptur erschien simpel: Er konzentrierte sich aufs Poltern, \u00c4tzen und Verletzen, f\u00fcr die Verbreitung sorgten andere. Die liberalen Medien transportierten ihre Emp\u00f6rung in einer endlosen Zahl von Artikeln. Und rechte Revolver-Seiten wie das Portal \u201eBreitbart\u201c \u00fcbernahmen die lautstarke Verbreitung von Attacken, Halbwahrheiten und L\u00fcgen.<\/p>\n<p>Nun, nach seinem Sieg, werden nach und nach die Details einer lange gut getarnten digitalen Wahlkampfmaschinerie bekannt, die Trumps Erfolg nach Ansicht amerikanischer Politikstrategen ma\u00dfgeblich bef\u00f6rdert hat. Sie ringt seinen h\u00e4rtesten Konkurrenten Respekt ab und lehrt alle, die an traditioneller Politikvermittlung h\u00e4ngen, das F\u00fcrchten. Galten zun\u00e4chst die Demokraten als die Meister des digitalen Wahlkampfes, so zeigt sich, dass Trumps Leute Methoden der Online- Vermarktung angewandt haben, die so konsequent wohl noch nie in der Politik genutzt wurden. Schon sollen italienische, franz\u00f6sische und deutsche Populisten bei Trumps Dienstleistern Interesse signalisiert haben.<br \/>\nWas dem designierten amerikanischen Pr\u00e4sidenten gelang, war die Verbindung von klassischen hochemotionalen Wahlkampfauftritten mit den modernsten Mechanismen der digitalen Welt: Viralen Verbreitungsstrategien aus den Notebooks der perfidesten Online-Vermarkter, eine in h\u00f6chstem Ma\u00dfe personalisierte Ansprache und die emotionale Infektion seiner Anh\u00e4nger. Es war eine einzigartige Symbiose aus Marketing, Facebook und digitalem Aufpeitschen.<br \/>\nTrumps digitale Geheimtruppe<br \/>\nDas Ausma\u00df seiner digitalen Strategie wurde erst nach der Wahl offenbart, dank verschiedener Ver\u00f6ffentlichungen der \u201eNew York Times\u201c, von \u201eForbes\u201c oder auch dem Schweizer \u201eMagazin\u201c. Demnach hatte Trump \u00fcber Monate eine digitale Geheimtruppe besch\u00e4ftigt, die ihn nach allen Regeln der Kunst unterst\u00fctzte. Sie bestand aus Psychologen, Marketingspezialisten und Nerds, sie wurde geleitet von seinem engsten Vertrauten Jared Kushner, dem 35 Jahre alten Immobilientycoon und Ehemann seiner Tochter Ivanka. Er brachte offenbar genau das mit, was dem Pr\u00e4sidentschaftskandidaten so dringend fehlte: \u201eJared verstand die Online-Welt in einer Weise, wie es den traditionellen Medien-Leuten nicht gelang\u201c, sagt ausgerechnet Eric Schmidt, der fr\u00fchere Google-Chef und Unterst\u00fctzer der digitalen Kampagne von Hillary Clinton. \u201eEr schaffte es, mit kleinem Budget eine Pr\u00e4sidentschafts-Kampagne zu starten und mit neuester Technologie zu gewinnen. Das ist ein gro\u00dfes Ding.\u201c<br \/>\nWas selbst den Google-Mann in Erstaunen versetzte, war die kompromisslose Ausbeutung der Nutzerprofile von Millionen Amerikanern f\u00fcr wahlpropagandistische Zwecke. W\u00e4hrend die Welt noch \u00fcber den Einfluss von \u201eFake News\u201c auf das Wahlergebnis debattiert, wird offenbar, dass Kushner eine ganz andere Dimension der neuen Netzwelt erschlossen hat. \u201eIch habe einige meiner Freunde aus dem Silicon Valley angerufen, die besten Vermarkter der Welt, und gefragt, wie wir unsere Sache besser skalieren k\u00f6nnen\u201c, verriet Kushner dem amerikanischen Magazin \u201eForbes\u201c, dessen Journalisten als einzige mit dem \u00f6ffentlichkeitsscheuen Multi-Million\u00e4r sprechen konnten, \u201eund sie haben mir ihre Dienstleister verraten.\u201c<br \/>\nDrei Ebenen der digitalen Vermarktung<br \/>\nDie Kushner-Truppe nutzte drei ma\u00dfgebliche Ebenen der digitalen Vermarktung: das gewaltige Datenwissen \u00fcber die Online-Nutzer des Landes, einen psychologischen Filter zur Kategorisierung der Einstellungen einzelner W\u00e4hler und die modernen Distributionstechnologien f\u00fcr zielgerichtete Werbung im Internet. All das mit h\u00f6chster Intensit\u00e4t und einem \u00fcberragenden Ziel: die Adressaten mit Hilfe von Facebook emotionaler zu ber\u00fchren als mit traditionellen Massenkampagnen im Internet und Fernsehen.<br \/>\nDas Dilemma klassischer Kampagnen sind stets die hohen Streuverluste: Etliche Menschen f\u00fchlen sich abgesto\u00dfen oder reagieren gleichg\u00fcltig. Dabei ging es Protestw\u00e4hlern oftmals um eine dominante Angelegenheit. Einige wollten verhindern, dass ein Demokrat auf den frei gewordenen Richterstuhl am Supreme Court gelangt. Anderen ging Obamas Gesundheitsreform total gegen den Strich. Wieder andere wollten muslimische Einwanderung stoppen.<br \/>\nUm all diese Partikularinteressen pr\u00e4ziser adressieren zu k\u00f6nnen, heuerte Kushner eine Datenfirma an, Cambridge Analytica. Die Spezialisten geh\u00f6ren zu dem britischen Beratungskonzern SCL Group, der bekannt ist f\u00fcr seine Techniken der psychologischen Kriegsf\u00fchrung im Anti- Terrorkampf. Zudem hatte Cambridge Analytica zuvor bereits versucht, sich als Beistand der Brexit-Bef\u00fcrworter in Gro\u00dfbritannien zu profilieren. Die Firma bot f\u00fcr den amerikanischen Wahlkampf einen Wissensschatz Orwellscher Dimension an: In jahrelanger Arbeit wollen sie psychologische Profile von mehr als 230 Millionen erwachsenen Amerikanern gesammelt haben \u2013 also fast aller potentiellen W\u00e4hler.<br \/>\nGelungen war ihnen das mit einer simplen Taktik: Sie hatten auf Facebook massenhaft die bei vielen Online-Nutzern beliebten Pers\u00f6nlichkeitstests ausgespielt. Viele hunderttausend Nutzer machten mit und hinterlie\u00dfen so ein detailliertes psychologisches Profil. \u00dcber klassische Matching- Technologien der Online-Vermarktung \u2013 wer sich im Netz \u00e4hnlich verh\u00e4lt, ist auch von \u00e4hnlichen Interessen geleitet \u2013 kam eine gewaltige Datenbank zustande. Die Nutzer wurden dar\u00fcber hinaus kategorisiert nach den f\u00fcnf sogenannten Ocean-Faktoren, also emotionale Labilit\u00e4t, Begeisterungsf\u00e4higkeit, Offenheit f\u00fcr Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit und Vertr\u00e4glichkeit. Cambridge Analytica behauptet, dass es \u00fcber jeden erfassten Nutzer 3000 bis 5000 Datenpunkte gespeichert hat.<br \/>\nNun galt es, diesen Nutzern hochpersonalisierte Botschaften zuzuspielen, die unter Ber\u00fccksichtigung ihrer psychologischen Disposition und ihrer Interessen geeignet waren, ihre Wahlentscheidung zu beeinflussen. Kushner hatte mittlerweile an die hundert Spezialisten in einem unscheinbaren B\u00fcrogeb\u00e4ude am Rand der texanischen Gro\u00dfstadt San Antonio versammelt, die eine gewaltige Social-Media-Kampagne in Gang setzten. Die \u00c4ngstlichen unter den W\u00e4hlern bekamen Botschaften \u00fcber steigende Kriminalit\u00e4t, farbigen Amerikanern wurden verungl\u00fcckte Aussagen von Clinton zugespielt, in denen sie Schwarze als \u201eSuper-Raubtiere\u201c bezeichnet hatte. Zeitweise will das Datenteam mehrere zehntausend verschiedene und oft nur leicht abge\u00e4nderte Aussagen auf Facebook geposted haben. Das geschah \u00fcber ein neues Facebook-Angebot f\u00fcr Werbende, die sogenannten \u201eDark Posts\u201c, die nur ausdr\u00fccklich daf\u00fcr markierte Nutzer erreichen.<br \/>\nN\u00fcchterne Rhetorik funktioniert in der Aufregungssph\u00e4re nicht<br \/>\nWar es fr\u00fcher f\u00fcr den Gewinn einer Wahl wichtig, sich die \u00dcbermacht in Radio und Fernsehen zu verschaffen, so bewiesen Kushners Leute nun, dass es mittlerweile darum geht, die sozialen Netzwerke zu dominieren, mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Technologien. Nichts eignet sich heute besser zur Verbreitung von Emp\u00f6rung und Zorn. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die fortschrittlichste Kommunikationstechnik der Menschheit nicht prim\u00e4r ein Medium der Aufkl\u00e4rung ist, sondern ein Werkzeug f\u00fcr den Austausch emotionaler Botschaften. Allen populistischen Bewegungen ist gemein, dass sie auf Facebook weitaus mehr Fans haben als die etablierten Parteien. N\u00fcchterne Rhetoriker wie Angela Merkel oder Frank-Walter Steinmeier funktionieren in diesen digitalen Sph\u00e4ren der Aufregung schlicht nicht.<br \/>\nWas Kushners Team vorgemacht hat, wird nicht das Ende der Entwicklung sein. Daf\u00fcr wird allein schon Stephen Bannon sorgen, Trumps Chefstratege und rangh\u00f6chster Berater, der wie keiner seiner Vorg\u00e4nger mit den neuen Propagandatechnologien vertraut ist. Bannon sa\u00df bisher im Board von Cambridge Analytica und befehligte zudem die \u201eBreitbart\u201c-Seite. Kaum vorstellbar, dass er die im Wahlkampf erprobten Strategien nicht weiter einsetzen wird.<br \/>\nEbensowenig ist vorstellbar, dass Europas Bewegungen des Zorns die Techniken der zielgerichteten Emotionalisierung ignorieren werden. Zwar ist der Datenschutz strenger, doch bisher hat noch keine Partei die schon jetzt weitgehenden M\u00f6glichkeiten des sogenannten Targetings konsequent genutzt.<br \/>\nMassennachrichten leiden unter gro\u00dfen Streuverlusten.<br \/>\nDie Zukunft der politischen Kommunikation zeichnet sich bereits ab. Sie wird sich parallel zu den Technologien entwickeln, die derzeit f\u00fcr die Welt der Online-Vermarktung oder auch der Online- Medien absehbar sind. Alles deutet auf eine weitere Personalisierung in Ansprache und Information hin. Wie bei so vielen neuen Entwicklungen ist die Technologie selbst dabei neutral, sie ist nicht mehr als ein immer intelligenteres Werkzeug. Entscheidend ist, mit welcher Intention sie eingesetzt wird: Im Dienste von echter Aufkl\u00e4rung, f\u00fcr gew\u00f6hnliche Werbung, mit der klaren Absicht, politische Propaganda zu verbreiten oder gar mit einer desinformatorischen Intention, um einen Staat oder eine Gesellschaft zu destabilisieren. Das Fatale ist, dass sie gleicherma\u00dfen als n\u00fctzliches Tool wie als destruktive Waffe genutzt werden kann.<br \/>\nW\u00e4hrend bei diesem Wahlkampf die Verbreitung der Botschaften \u00fcber die klassischen Formen der Online-Nutzung erfolgten, also \u00fcber Schrift, Bild und Video, k\u00f6nnte der n\u00e4chste Wahlkampf gepr\u00e4gt sein durch die neuen digitalen Assistenten \u2013 intelligente Mikrofon-Lautsprecher f\u00fcr den Wohnzimmertisch. Sie werden derzeit von allen gro\u00dfen Digital-Konzernen mit gro\u00dfer Energie entwickelt. Amazon, Google und Apple haben ihre besten K\u00f6pfe damit beauftragt, die k\u00fcnstliche Intelligenz hinter den bisher eher rudiment\u00e4r anmutenden Assistenten zu verbessern. F\u00fcr viele in den Spitzen der Digitalkonzerne ist das die n\u00e4chste Revolution. F\u00fcr Kushners Truppe w\u00e4re es das Werkzeug schlechthin: eine Art super-personalisiertes Radio. Jeden Morgen ein neuer Leitspruch von Trump, konfiguriert und vom Audio-Assistenten rechtzeitig zum Fr\u00fchst\u00fcck vorgetragen. Es w\u00e4re Facebook \u00fcbertragen in die Audio-Welt, es w\u00e4re die akustische Filterblase. Sch\u00f6ne neue Politik-Welt. Man braucht nur Leute wie Kushner und Bannon, um die Chancen zu heben.<br \/>\nQuelle: FAZ.NET &#8212;-.<br \/>\nNur noch eine Frage der Zeit bis es die ersten Toten gibt.<br \/>\nJuan Llamazares 6 (Llamaj) &#8211; 05.12.2016 15:39<br \/>\nGestern ist ein Bewaffneter in ein Restaurant eingedrungen hat die Mitarbeiter bedroht und geschossen. Warum? Er hat auf eigene Faust die Fake News &#8222;nachrecherchiert&#8220; das die Clintons zusammen mit John Podesta aus diesem Restaurant einen Kinder-Sex Ring betreiben. Eine Verschw\u00f6rungstheorie die auf Twitter unter anderem von Trumps Kandidaten f\u00fcr den Posten des &#8222;national security advisor&#8220; Mike Flynn, verbreitet wurde.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"aTXdhhXKp7\"><p><a href=\"https:\/\/www.dasmagazin.ch\/2016\/12\/03\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt\/\">Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8220;Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt&#8221; &#8212; Das Magazin\" src=\"https:\/\/www.dasmagazin.ch\/2016\/12\/03\/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt\/embed\/#?secret=aTXdhhXKp7\" data-secret=\"aTXdhhXKp7\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><br \/>\nIch habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt<br \/>\nDer Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minuti\u00f6s zu analysieren. Und verhalf so Donald Trump mit zum Sieg.<\/p>\n<p>Von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus Das Magazin N\u00b048 \u2013 3. Dezember 2016<br \/>\nAm 9. November gegen 8.30 Uhr erwacht Michal Kosinski in Z\u00fcrich im Hotel Sunnehus. Der 34- j\u00e4hrige Forscher ist f\u00fcr einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu einer Tagung \u00fcber die Gefahren von Big Data und des sogenannten digitalen Umsturzes. Solche Vortr\u00e4ge h\u00e4lt Kosinski st\u00e4ndig, \u00fcberall auf der Welt. Er ist ein f\u00fchrender Experte f\u00fcr Psychometrik, einen datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Morgen den Fernseher einschaltet, sieht er, dass die Bombe geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller f\u00fchrenden Statistiker ist Donald J. Trump gew\u00e4hlt worden.<br \/>\nLange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaaten. Er ahnt, dass das Ergebnis etwas mit seiner Forschung zu tun haben k\u00f6nnte. Dann atmet er tief durch und schaltet den Fernseher aus.<br \/>\nAm gleichen Tag versendet eine bis dahin kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung: \u00abWir sind begeistert, dass unser revolution\u00e4rer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg f\u00fcr Donald Trump leistet\u00bb, wird ein Alexander James Ashburner Nix zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht gewellten blonden Haare nach hinten gek\u00e4mmt.<br \/>\nDer nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der breit grinsende Trump \u2013 einer hat den digitalen Umsturz erm\u00f6glicht, einer hat ihn vollf\u00fchrt, einer davon profitiert.<br \/>\nWie gef\u00e4hrlich ist Big Data?<br \/>\nJeder, der nicht die letzten f\u00fcnf Jahre auf dem Mond gelebt hat, kennt den Begriff \u00abBig Data\u00bb. Big Data bedeutet auch, dass alles, was wir treiben, ob im Netz oder ausserhalb, digitale Spuren hinterl\u00e4sst. Jeder Einkauf mit der Karte, jede Google-Anfrage, jede Bewegung mit dem Handy in der Tasche, jeder Like wird gespeichert. Besonders jeder Like. Lange war nicht ganz klar, wozu diese Daten gut sein sollen \u2013 ausser dass in unserem Facebook-Feed Blutdrucksenker beworben werden, weil wir grad \u00abBlutdruck senken\u00bb gegoogelt haben. Unklar war auch, ob Big Data eine grosse Gefahr oder ein grosser Gewinn f\u00fcr die Menschheit ist. Seit dem 9. November kennen wir die Antwort. Denn hinter Trumps Onlinewahlkampf und auch hinter der Brexit-Kampagne steckt ein und dieselbe Big-Data-Firma: Cambridge Analytica mit ihrem CEO Alexander Nix. Wer den Ausgang der Wahl verstehen will \u2013 und was auf Europa in den n\u00e4chsten Monaten zukommen k\u00f6nnte \u2013, muss mit einem merkw\u00fcrdigen Vorfall an der britischen Universit\u00e4t Cambridge im Jahr 2014 beginnen. Und zwar an Kosinskis Department f\u00fcr Psychometrik.<br \/>\nPsychometrie, manchmal auch Psychografie genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen zu vermessen. In der modernen Psychologie ist daf\u00fcr die sogenannte Ocean-Methode zum Standard geworden. Zwei Psychologen war in den 1980ern der Nachweis gelungen, dass jeder Charakterzug eines Menschen sich anhand von f\u00fcnf Pers\u00f6nlichkeitsdimensionen messen l\u00e4sst, den Big Five: Offenheit (Wie aufgeschlossen sind Sie gegen\u00fcber Neuem?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch sind Sie?), Extraversion (Wie gesellig sind Sie?), Vertr\u00e4glichkeit (Wie r\u00fccksichtsvoll und kooperativ sind Sie?) und Neurotizismus (Sind Sie leicht verletzlich?). Anhand dieser Dimensionen kann man relativ genau sagen, mit was f\u00fcr einem Menschen wir es zu tun haben, also welche Bed\u00fcrfnisse und \u00c4ngste er hat, und aber auch, wie er sich tendenziell verhalten wird. Das Problem aber war lange Zeit die Datenbeschaffung, denn zur Bestimmung musste man einen komplizierten, sehr pers\u00f6nlichen Fragebogen ausf\u00fcllen. Dann kam das Internet. Und Facebook. Und Kosinski.<br \/>\nF\u00fcr den Warschauer Studenten Michal Kosinski begann ein neues Leben, als er 2008 an der ehrw\u00fcrdigen Cambridge University in England aufgenommen wurde: am Zentrum f\u00fcr Psychometrie, im Cavendish Laboratory, dem ersten Psychometrie-Labor \u00fcberhaupt. Mit einem Studienkollegen stellte Kosinski eine kleine App ins damals noch \u00fcberschaubare Facebook: Auf MyPersonality, so hiess die Applikation, konnte man eine Handvoll psychologischer Fragen aus dem Ocean-Fragebogen ausf\u00fcllen (\u00abLassen Sie sich bei Stress leicht aus der Ruhe bringen?\u00bb \u2013 \u00abNeigen Sie dazu, andere zu kritisieren?\u00bb). Als Auswertung erhielt man sein \u00abPers\u00f6nlichkeitsprofil\u00bb \u2013 eigene Ocean-Werte \u2013, und die Forscher bekamen die wertvollen pers\u00f6nlichen Daten. Statt, wie erwartet, ein paar Dutzend Studienfreunde hatten schnell Hunderte, Tausende, bald Millionen ihre innersten \u00dcberzeugungen verraten. Pl\u00f6tzlich verf\u00fcgten die beiden Doktoranden \u00fcber den gr\u00f6ssten jemals erhobenen psychologischen Datensatz.<br \/>\nDas Verfahren, das Kosinski mit seinen Kollegen \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre entwickelt, ist eigentlich recht einfach. Zuerst legt man Testpersonen einen Fragebogen vor. Das ist das Onlinequiz. Aus ihren Antworten kalkulieren die Psychologen die pers\u00f6nlichen Ocean-Werte der Befragten. Damit gleicht Kosinskis Team dann alle m\u00f6glichen anderen Onlinedaten der Testpersonen ab: was sie auf Facebook gelikt, geshared oder gepostet haben, welches Geschlecht, Alter, welchen Wohnort sie angegeben haben. So bekommen die Forscher Zusammenh\u00e4nge. Aus einfachen Onlineaktionen lassen sich verbl\u00fcffend zuverl\u00e4ssige Schl\u00fcsse ziehen. Zum Beispiel sind M\u00e4nner, die die Kosmetikmarke MAC liken, mit hoher Wahrscheinlichkeit schwul. Einer der besten Indikatoren f\u00fcr Heterosexualit\u00e4t ist das Liken von Wu-Tang Clan, einer New Yorker Hip-Hop-Gruppe. Lady-Gaga- Follower wiederum sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit extrovertiert. Wer Philosophie likt, ist eher introvertiert.<br \/>\nKosinski und sein Team verfeinern die Modelle unabl\u00e4ssig. 2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugeh\u00f6rigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, l\u00e4sst sich anhand der Daten ablesen. Wie gut ein Modell ist, zeigt sich daran, wie gut es vorhersagen kann, wie eine Testperson bestimmte Fragen beantworten wird. Kosinski geht wie im Rausch immer weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einsch\u00e4tzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu \u00fcberbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes l\u00e4sst sich sogar \u00fcbertreffen, was Menschen von sich selber zu wissen glauben. Am Tag, als Kosinski diese Erkenntnisse publiziert, erh\u00e4lt er zwei Anrufe. Eine Klageandrohung und ein Stellenangebot. Beide von Facebook.<br \/>\nNur f\u00fcr Freunde sichtbar<br \/>\nFacebook hat inzwischen die Unterscheidung zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Posten eingef\u00fchrt. Im \u00abprivaten\u00bb Modus k\u00f6nnen nur die eigenen Freunde sehen, was man likt. Aber das bleibt kein Hindernis f\u00fcr Datensammler: W\u00e4hrend Kosinski stets das Einverst\u00e4ndnis der Facebook- User erfragt, verlangen viele Onlinequiz heute den Zugang zu privaten Daten als Vorbedingung f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeitstests. (Wer keine grosse Sorge um die eigenen Daten hat und sich selbst anhand seiner Likes auf Facebook einsch\u00e4tzen lassen will, kann das auf Kosinskis Seite applymagicsauce.com machen und anschliessend seine Ergebnisse mit denen eines \u00abklassischen\u00bb Ocean-Fragebogens vergleichen: discovermyprofile.com\/personality.html.)<br \/>\nAber es geht nicht nur um die Likes auf Facebook: Kosinski und sein Team k\u00f6nnen inzwischen Menschen allein anhand des Portr\u00e4tfotos den Ocean-Kriterien zuordnen. Oder anhand der Anzahl unserer Social-Media-Kontakte (ein guter Indikator f\u00fcr Extraversion). Aber wir verraten auch etwas \u00fcber uns, wenn wir offline sind. Der Bewegungssensor zeigt zum Beispiel, wie schnell wir das Telefon bewegen oder wie weit wir reisen (korreliert mit emotionaler Instabilit\u00e4t). Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausf\u00fcllen. Vor allem aber, und das ist wichtig zu verstehen, funktioniert es auch umgekehrt: Man kann nicht nur aus Daten psychologische Profile erstellen, man kann auch umgekehrt nach bestimmten Profilen suchen \u2013 etwa: alle besorgten Familienv\u00e4ter, alle w\u00fctenden Introvertierten. Oder auch: alle unentschlossenen Demokraten. Was Kosinski genau genommen erfunden hat, ist eine Menschensuchmaschine.<br \/>\nImmer deutlicher erkennt Kosinski das Potenzial \u2013 aber auch die Gefahr seiner Arbeit.<br \/>\nDas Netz erschien ihm immer wie ein Geschenk des Himmels. Er will ja eigentlich zur\u00fcckgeben, teilen, sharen. Daten sind kopierbar, sollen doch alle etwas davon haben. Es ist der Geist einer ganzen Generation, der Beginn eines neuen Zeitalters ohne die Grenzen der physischen Welt. Aber was passiert, fragt sich Kosinski, wenn jemand seine Menschensuchmaschine missbraucht, um Menschen zu manipulieren? Er beginnt, alle seine wissenschaftlichen Arbeiten mit Warnungen zu versehen. Mit seinen Methoden k\u00f6nnten \u00abdas Wohlergehen, die Freiheit oder sogar das Leben von Menschen bedroht\u00bb werden. Aber niemand scheint zu verstehen, was er meint.<br \/>\nIn dieser Zeit, Anfang 2014, tritt ein junger Assistenzprofessor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran. Er habe eine Anfrage eines Unternehmen, das sich f\u00fcr Kosinskis Methode interessiere. Die Facebook-Profile von zehn Millionen US-Nutzern sollen psychometrisch vermessen werden. Zu welchem Zweck, das k\u00f6nne er nicht sagen, es gebe strenge Geheimhaltungsauflagen. Kosinski will erst zusagen, es geht um sehr viel Geld f\u00fcr sein Institut, z\u00f6gert dann aber. Schliesslich r\u00fcckt Kogan mit dem Namen der Firma heraus: SCL \u2013 Strategic Communications Laboratories. Kosinski googelt die Firma: \u00abWir sind eine weltweit agierende Wahl-Management-Agentur\u00bb, liest er auf der Unternehmenswebsite. SCL bieten Marketing auf Basis eines psycho-logischen Modells. Schwerpunkt: Wahlbeeinflussung. Wahlbeeinflussung? Verst\u00f6rt klickt sich Kosinski durch die Seiten. Was ist das f\u00fcr eine Firma? Und was haben diese Leute in den USA vor?<br \/>\nWas Kosinski zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Hinter SCL verbirgt sich ein kompliziertes Firmenkonstrukt mit Ablegern in Steuerparadiesen \u2013 wie die Panama Papers und Wikileaks- Enth\u00fcllungen zeigen. Manche haben bei Umst\u00fcrzen in Entwicklungsl\u00e4ndern mitgewirkt, andere entwickelten f\u00fcr die Nato Methoden zur psychologischen Manipulation der Bev\u00f6lkerung in Afghanistan. Und mittlerweile sind SCL auch die Mutterfirma von Cambridge Analytica, jener omin\u00f6sen Big-Data-Bude, die f\u00fcr Trump und Brexit den Onlinewahlkampf organisierte.<br \/>\nKosinski weiss davon nichts, aber er ahnt Ungutes. \u00abDie Sache begann zu stinken\u00bb, erinnert er sich. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er, dass Aleksandr Kogan heimlich eine Firma registriert hat, die mit SCL Gesch\u00e4fte macht. Aus einem Dokument, das dem \u00abMagazin\u00bb vorliegt, geht hervor, dass SCL Kosinskis Methode durch Kogan kennenlernte. Pl\u00f6tzlich d\u00e4mmert Kosinski, dass Kogan sein Ocean-Modell kopiert oder nachgebaut haben k\u00f6nnte, um es der Wahlbeeinflussungsfirma zu verkaufen. Sofort bricht er den Kontakt zu ihm ab und informiert den Institutsleiter. Innerhalb der Universit\u00e4t entfacht sich ein komplizierter Konflikt. Das Institut sorgt sich um seinen Ruf. Aleksandr Kogan zieht erst einmal nach Singapur, heiratet und nennt sich fortan Dr. Spectre. Michal Kosinski wechselt an die Stanford University in den USA.<br \/>\nEin Jahr lang ist es ziemlich ruhig, dann, im November 2015, verk\u00fcndet die radikalere der beiden Brexit-Kampagnen, \u00ableave.eu\u00bb, getragen von Nigel Farage, sie habe eine Big-Data-Firma beauftragt, ihren Wahlkampf online zu unterst\u00fctzen: Cambridge Analytica. Kernkompetenz der Firma: neuartiges Politmarketing, sogenanntes Mikrotargeting \u2013 auf Basis des psychologischen Ocean-Modells.<br \/>\nKosinski bekommt Mails, was er damit zu tun habe \u2013 bei den Stichworten Cambridge, Ocean und Analytics denken viele zuerst an ihn. Zum ersten Mal h\u00f6rt er von der Firma. Entsetzt schaut er auf die Website. Sein Albtraum ist wahr geworden: Seine Methodik wird im grossen Stil f\u00fcr politische Zwecke eingesetzt.<br \/>\nNach dem Brexit im Juli prasseln Beschimpfungen auf ihn ein: Schau nur, was du getan hast, schreiben Freunde und Bekannte. \u00dcberall muss Kosinski erkl\u00e4ren, dass er mit dieser Firma nichts zu tun hat.<br \/>\nErst Brexit, dann Trump<br \/>\nZehn Monate sp\u00e4ter. Es ist der 19. September 2016, die US-Wahl r\u00fcckt n\u00e4her. Gitarrenriffs erf\u00fcllen den dunkelblauen Saal des New Yorker Grand Hyatt Hotels, Creedence Clearwater Revival: \u00abBad Moon Rising\u00bb. Der Concordia Summit ist eine Art Weltwirtschaftsforum in Klein. Entscheidungstr\u00e4ger aus aller Welt sind eingeladen, unter den G\u00e4sten befindet sich auch Bundesrat Schneider-Ammann. \u00abBitte heissen Sie Alexander Nix, Chief Executive Officer von Cambridge Analytica, willkommen\u00bb, verk\u00fcndet eine sanfte Frauenstimme aus dem Off. Ein schlanker Mann im dunklen Anzug betritt die B\u00fchnenmitte. Es herrscht gebannte Stille. Viele hier wissen: Das ist Trumps neuer Digital-Mann. \u00abBald werden Sie mich Mr. Brexit nennen\u00bb, hatte Trump einige Wochen zuvor etwas kryptisch getwittert. Politikbeobachter hatten zwar auf die inhaltliche \u00c4hnlichkeit zwischen Trumps Agenda und jener des rechten Brexit-Lagers verwiesen. Die wenigsten aber hatten den Zusammenhang mit Trumps k\u00fcrzlichem Engagement einer weithin unbekannten Marketingfirma bemerkt: Cambridge Analytica.<br \/>\nTrumps Digitalkampagne hatte davor mehr oder minder aus einer Person bestanden: Brad Parscale, einem Marketingunternehmer und gescheiterten Start-up-Gr\u00fcnder, der Trump f\u00fcr 1500 Dollar eine rudiment\u00e4re Website aufgebaut hatte. Der 70-j\u00e4hrige Trump ist kein Digitaltyp, auf seinem Arbeitstisch steht nicht einmal ein Computer. So etwas wie eine E-Mail von Trump gibt es nicht, hat seine pers\u00f6nliche Assistentin einmal verraten. Sie selber habe ihn zum Smartphone \u00fcberredet \u2013 von dem aus er seither unkontrolliert twittert.<br \/>\nHillary Clinton hingegen verliess sich auf das Erbe des ersten Social-Media-Pr\u00e4sidenten, Barack Obama. Sie hatte die Adresslisten der Demokratischen Partei, sammelte Millionen \u00fcber das Netz, bekam Unterst\u00fctzung von Google und Dreamworks. Als im Juni 2016 bekannt wurde, dass Trump Cambridge Analytica angeheuert hatte, r\u00fcmpfte man in Washington die Nase. Ausl\u00e4ndische Gecken in Massanz\u00fcgen, die Land und Leute nicht verstehen? Seriously?<br \/>\n\u00abEs ist mein Privileg, vor Ihnen, verehrte Zuh\u00f6rer, \u00fcber die Macht von Big Data und der Psychografie im Wahlkampf zu sprechen.\u00bb Hinter Alexander Nix erscheint das Logo von Cambridge Analytica \u2013 ein Gehirn, zusammengesetzt aus ein paar Netzwerkknoten, wie eine Landkarte. \u00abVor ein paar Monaten war Cruz noch einer der weniger beliebten Kandidaten\u00bb, sagt der blonde Mann mit diesem britischen Zungenschlag, der Amerikanern dasselbe Gef\u00fchl einjagt wie vielen Schweizern Hochdeutsch, \u00abnur 40 Prozent der W\u00e4hler kannten seinen Namen.\u00bb Alle im Saal haben den Blitzaufstieg des konservativen Senators Cruz mitbekommen. Es war einer der seltsamsten Momente des Wahlkampfes. Der letzte grosse innerparteiliche Gegner Trumps, der aus dem Nichts gekommen war. \u00abWie also hat er das geschafft?\u00bb, f\u00e4hrt Nix fort. Ende 2014 war Cambridge Analytica in den US-Wahlkampf eingestiegen, zun\u00e4chst als Berater des Republikaners Ted Cruz, finanziert vom verschwiegenen US-Softwaremilliard\u00e4r Robert Mercer. Bisher, so Nix, seien Wahlkampagnen nach demografischen Konzepten gef\u00fchrt worden, \u00abeine l\u00e4cherliche Idee, wenn Sie dr\u00fcber nachdenken: Alle Frauen erhalten die gleiche Nachricht, bloss weil sie das gleiche Geschlecht haben \u2013 oder alle Afroamerikaner, wegen ihrer Rasse?\u00bb So dilettantisch arbeitet das Kampagnenteam von Hillary Clinton, das braucht Nix hier gar nicht zu erw\u00e4hnen, es unterteilt die Bev\u00f6lkerung in vermeintlich homogene Gruppen \u2013 genauso wie all die Meinungsforschungsinstitute es taten, die Clinton bis zuletzt als Gewinnerin sahen.<br \/>\nStattdessen klickt Nix weiter zur n\u00e4chsten Folie: f\u00fcnf verschiedene Gesichter, jedes Gesicht entspricht einem Pers\u00f6nlichkeitsprofil. Es ist das Ocean-Modell. \u00abWir bei Cambridge Analytica\u00bb, sagt Nix, \u00abhaben ein Modell entwickelt, das die Pers\u00f6nlichkeit jedes Erwachsenen in den USA berechnen kann.\u00bb Jetzt ist es absolut still im Saal. Der Erfolg des Marketings von Cambridge Analytica beruhe auf der Kombination dreier Elemente: psychologische Verhaltensanalyse nach dem Ocean-Modell, Big-Data-Auswertung und Ad-Targeting. Ad-Targeting, das ist personalisierte Werbung, also Werbung, die sich m\u00f6glichst genau an den Charakter eines einzelnen Konsumenten anpasst.<br \/>\nNix erkl\u00e4rt freim\u00fctig, wie seine Firma das macht (der Vortrag ist auf Youtube frei einsehbar). Aus allen m\u00f6glichen Quellen kauft Cambridge Analytica pers\u00f6nliche Daten: Grundbucheintr\u00e4ge, Bonuskarten, W\u00e4hlerverzeichnisse, Clubmitgliedschaften, Zeitschriftenabonnements, medizinische Daten. Nix zeigt die Logos global t\u00e4tiger Datenh\u00e4ndler wie Acxiom und Experian \u2013 in den USA sind quasi alle pers\u00f6nlichen Daten k\u00e4uflich zu erwerben. Wenn man wissen will, wo zum Beispiel j\u00fcdische Frauen wohnen, kann man diese Informationen einfach kaufen. Inklusive Telefonnummern. Nun kreuzt Cambridge Analytica diese Zahlenpakete mit W\u00e4hlerlisten der Republikanischen Partei und Onlinedaten wie Facebook-Likes \u2013 dann errechnet man das Ocean- Pers\u00f6nlichkeitsprofil: Aus digitalen Fussabdr\u00fccken werden pl\u00f6tzlich reale Menschen mit \u00c4ngsten, Bed\u00fcrfnissen, Interessen \u2013 und mit einer Wohnadresse.<br \/>\nDas Vorgehen ist identisch mit den Modellen, die Michal Kosinski entwickelt hatte. Auch Cambridge Analytica verwendet IQ-Quiz und andere kleine Ocean-Test-Apps, um an die aussagekr\u00e4ftigen Facebook-Likes von Usern zu gelangen. Und Cambridge Analytica macht genau das, wovor Kosinski gewarnt hatte: \u00abWir haben Psychogramme von allen erwachsenen US B\u00fcrgern \u2013 220 Millionen Menschen\u00bb, Nix \u00f6ffnet den Screenshot, \u00abso sehen unsere Kontrollzentren aus. Lassen Sie mich zeigen, was wir damit tun.\u00bb Ein digitales Cockpit erscheint. Links Diagramme, rechts eine Karte von Iowa, wo Cruz \u00fcberraschend viele Stimmen im Vorwahlkampf gesammelt hatte. Darauf Hunderttausende kleiner Punkte, rot und blau. Nix grenzt die Kriterien ein: Republikaner \u2013 die blauen Punkte verschwinden; \u00abnoch nicht \u00fcberzeugt\u00bb \u2013 wieder verschwinden Punkte; \u00abm\u00e4nnlich\u00bb und so weiter. Am Schluss erscheint ein einzelner Name, darunter Alter, Adresse, Interessen, politische Neigung. Wie bearbeitet Cambridge Analytica nun eine solche Person mit politischen Botschaften?<br \/>\nIn einer anderen Pr\u00e4sentation zeigt Nix am Beispiel des Waffengesetzes zwei Versionen, wie man psychografisch durchleuchtete W\u00e4hler ansprechen kann: \u00abF\u00fcr einen \u00e4ngstlichen Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten verkaufen wir die Waffe als Versicherung. Sehen Sie links das Bild dazu: die Hand eines Einbrechers, die eine Scheibe einschl\u00e4gt.\u00bb Die rechte Seite zeigt einen Mann und ein Kind im Sonnenuntergang, beide mit Flinten in einem Feld, offensichtlich bei der Entenjagd: \u00abDas ist f\u00fcr konservative Typen mit hoher Extraversion.\u00bb<br \/>\nWie man Clinton-W\u00e4hler von der Urne fernh\u00e4lt<br \/>\nTrumps auff\u00e4llige Widerspr\u00fcche, seine oft kritisierte Haltungslosigkeit und die daraus resultierende ungeheure Menge an unterschiedlichen Botschaften entpuppen sich pl\u00f6tzlich als sein grosser Vorteil: Jedem W\u00e4hler seine Botschaft. \u00abTrump agiert wie ein perfekt opportunistischer Algorithmus, der sich nur nach Publikumsreaktionen richtet\u00bb, notiert bereits im August die Mathematikerin Cathy O\u2019Neil. Am Tag der dritten Pr\u00e4sidentschaftsdebatte zwischen Trump und Clinton versendet Trumps Team 175 000 verschiedene Variationen seiner Argumente, vor allem via Facebook. Die Botschaften unterscheiden sich meist nur in mikroskopischen Details, um den Empf\u00e4ngern psychologisch optimal zu entsprechen: verschiedene Titel, Farben, Untertitel, mit Foto oder mit Video. Die Feink\u00f6rnigkeit der Anpassung geht hinunter bis zu Kleinstgruppen, erkl\u00e4rt Nix im Gespr\u00e4ch mit \u00abDas Magazin\u00bb. \u00abWir k\u00f6nnen D\u00f6rfer oder H\u00e4userblocks gezielt erreichen. Sogar Einzelpersonen.\u00bb In Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner mit Nachrichten \u00fcber das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben in Haiti \u2013 um sie davon abzuhalten, Clinton zu w\u00e4hlen. Das ist eines der Ziele: potenzielle Clinton-W\u00e4hler \u2013 hierzu geh\u00f6ren zweifelnde Linke, Afroamerikaner, junge Frauen \u2013 von der Urne fernzuhalten, ihre Wahl zu \u00abunterdr\u00fccken\u00bb, wie ein Trump-Mitarbeiter erz\u00e4hlt. In sogenannten dark posts, das sind gekaufte Facebook-Inserate in der Timeline, die nur User mit passendem Profil sehen k\u00f6nnen, werden zum Beispiel Afroamerikanern Videos zugespielt, in denen Hillary Clinton schwarze M\u00e4nner als Raubtiere bezeichnet.<br \/>\n\u00abMeine Kinder\u00bb, beendet Nix seinen Vortrag am Concordia Summit, \u00abwerden sich so etwas wie ein Werbeplakat mit der gleichen Nachricht f\u00fcr alle, ja das ganze Konzept eines Massenmediums, nicht mehr erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Ich bedanke mich f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit und kann Ihnen sagen, dass wir mittlerweile f\u00fcr einen der beiden verbliebenen Kandidaten arbeiten.\u00bb Dann verl\u00e4sst er die B\u00fchne.<br \/>\nWie gezielt die amerikanische Bev\u00f6lkerung bereits in diesem Moment von Trumps digitalen Truppen massiert wird, ist nicht erkennbar \u2013 weil sie selten breit im Mainstream-TV attackieren, sondern meist personalisiert auf Social Media oder im Digitalfernsehen. Und w\u00e4hrend sich das Clinton-Team auf Basis demografischer Hochrechnungen in Sicherheit wiegt, entsteht in San Antonio im Sitz der Trump-Digitalkampagne ein \u00abzweites Hauptquartier\u00bb, wie Bloomberg- Journalist Sasha Issenberg nach einem Besuch \u00fcberrascht notiert. Das Cambridge-Analytica-Team, angeblich nur ein Dutzend Leute, hatte im Juli von Trump etwa 100 000 Dollar erhalten, im August bereits 250 000 Dollar, f\u00fcnf Millionen im September. Insgesamt, so sagt Nix, habe man etwa 15 Millionen Dollar eingenommen.<br \/>\nUnd die Massnahmen der Firma sind radikal: Ab Juli 2016 wird f\u00fcr Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen k\u00f6nnen, welche politische Einstellung und welchen Pers\u00f6nlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der T\u00fcr klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empf\u00e4nglich f\u00fcr seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Pers\u00f6nlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gespr\u00e4chsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein \u2013 und die neuen Daten fliessen zur\u00fcck in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.<br \/>\nDie Firma unterteilt die US-Bev\u00f6lkerung in 32 Pers\u00f6nlichkeitstypen, man konzentriert sich nur auf 17 Staaten. Und wie Kosinski festgestellt hatte, dass M\u00e4nner, die MAC Cosmetic liken, sehr wahrscheinlich schwul sind, fand Cambridge Analytica heraus, dass eine Vorliebe f\u00fcr US-gefertigte Autos das beste Anzeichen f\u00fcr m\u00f6gliche Trump-W\u00e4hler ist. Unter anderem solche Erkenntnisse zeigen nun Trump, welche Botschaften ziehen und wo genau am besten. Die Entscheidung, dass er sich in den letzten Wochen auf Michigan und Wisconsin konzentriert, geschieht auf Basis einer Datenauswertung. Der Kandidat wird zum Umsetzungsinstrument eines Modells.<br \/>\nWas macht Cambridge Analytica in Europa?<br \/>\nAber wie gross war der Einfluss der psychometrischen Methoden auf den Ausgang der Wahl? Cambridge Analytica will auf Anfrage keine Belege f\u00fcr die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut m\u00f6glich, dass die Frage nicht zu beantworten ist. Und doch gibt es Anhaltspunkte: Da ist die Tatsache, dass Ted Cruz dank der Hilfe von Cambridge Analytica aus dem Nichts zum sch\u00e4rfsten Konkurrenten Trumps in den Primaries aufstieg. Da ist die Zunahme der l\u00e4ndlichen W\u00e4hlerschaft. Da ist der R\u00fcckgang der Stimmenabgabe durch Afroamerikaner. Auch der Umstand, dass Trump so wenig Geld ausgab, k\u00f6nnte sich mit der Effektivit\u00e4t pers\u00f6nlichkeitsbasierter Werbung erkl\u00e4ren. Und auch, dass er drei Viertel seines Marketingbudgets in den Digitalbereich steckte. Facebook erwies sich als die ultimative Waffe und der beste Wahlhelfer, wie ein Trump- Mitarbeiter twitterte. Das d\u00fcrfte beispielsweise in Deutschland der AfD gefallen, die mehr Facebook-Freunde hat als CDU und SPD zusammen.<br \/>\nEs ist also keineswegs so, wie oft behauptet wird, dass die Statistiker diese Wahl verloren haben, weil sie mit ihren Polls so danebenlagen. Das Gegenteil ist richtig: Die Statistiker haben die Wahl gewonnen. Aber nur jene mit der neuen Methode. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass Trump oft \u00fcber die Wissenschaft schimpfte, aber wohl dank ihr die Wahl gewonnen hat.<br \/>\nEin anderer grosser Gewinner heisst Cambridge Analytica. Ihr Vorstandsmitglied Steve Bannon, Herausgeber der ultrarechten Onlinezeitung \u00abBreitbart News\u00bb, ist gerade zu Donald Trumps Chefstrategen ernannt worden. Marion Mar\u00e9chal-Le Pen, aufstrebende Front-National-Aktivistin und Nichte der Pr\u00e4sidentschaftskandidatin*, twitterte bereits, dass sie seine Einladung zur Zusammenarbeit annehme, und auf einem internen Firmenvideo steht \u00fcber dem Mitschnitt einer Besprechung \u00abItaly\u00bb. Alexander Nix best\u00e4tigt, dass er auf Kundenakquise sei, weltweit. Es gebe Anfragen aus der Schweiz und Deutschland.<br \/>\nAll das hat Kosinski von seinem B\u00fcro in Stanford aus beobachtet. Nach der US-Wahl steht die Universit\u00e4t kopf. Kosinski antwortet auf die Entwicklungen mit der sch\u00e4rfsten Waffe, die einem Forscher zur Verf\u00fcgung steht: mit einer wissenschaftlichen Analyse. Zusammen mit seiner Forscherkollegin Sandra Matz hat er eine Reihe von Tests durchgef\u00fchrt, die bald ver\u00f6ffentlicht werden. Erste Ergebnisse, die dem \u00abMagazin\u00bb vorliegen, sind beunruhigend: Psychologisches Targeting, wie Cambridge Analytica es verwendete, steigert die Clickraten von Facebook-Anzeigen um \u00fcber 60Prozent. Die sogenannte Conversion-Rate, also wie stark Leute \u2013 nachdem sie die pers\u00f6nlich zugeschnittene Werbung gesehen haben \u2013 auch danach handeln, also einen Kauf t\u00e4tigen oder eben w\u00e4hlen gehen, steigerte sich um unfassbare 1400 Prozent**.<br \/>\nDie Welt hat sich gedreht. Die Briten verlassen die EU, in Amerika regiert Donald Trump. Begonnen hat alles mit einem Mann, der eigentlich vor der Gefahr warnen wollte. Bei dem jetzt wieder diese Mails eintreffen, die ihn anklagen. \u00abNein\u00bb, sagt Kosinski leise und sch\u00fcttelt den Kopf, \u00abdas hier ist nicht meine Schuld. Ich habe die Bombe nicht gebaut. Ich habe nur gezeigt, dass es sie gibt.\u00bb<br \/>\nMitarbeit: Paul-Olivier Dehaye; www.personaldata.io<br \/>\nDie Fotografin Lauren Bamford lebt in Melbourne und Sydney<br \/>\n*Am Samstag den 3. Dezember wurde nach einem Leserhinweis diese Stelle verdeutlicht, damit es nicht zu einer Verwechslung mit Marine Le Pen kommt.<br \/>\n**Die genannte Studie bezieht sich auf eine Vergleichsreihe: Ein Konsum-Produkt wurde online beworben. Verglichen wurde die Reaktion auf zwei unterschiedliche Ansprachen: Eine genau auf den Charakter des Konsumenten angepasste Werbung mit einer dem Charakter widersprechenden Werbung. Die Steigerung der Conversionrate liegt bei genau angepasster Werbung bei 1\u2019400 Prozent gegen\u00fcber dem Charakter widersprechender Werbung.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;.<br \/>\nhttp:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wahlkampf-die-macht-der-social-bots.1818.de.html? dram:article_id=369303<br \/>\n22.10.2016<br \/>\nWahlkampf<br \/>\nDie Macht der Social Bots<br \/>\nSie heizten die Stimmung im Ukraine-Konflikt auf, mischten beim Brexit-Referendum mit und spielen auch im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle: Social Bots, Computerprogramme, die in den sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer agieren. Die AfD will sie auch im Bundestagswahlkampf nutzen &#8211; zum Entsetzen der anderen Parteien.<br \/>\nVon Ronald Menn<br \/>\nDie Linken haben bereits reagiert und alle anderen Parteien dazu aufgerufen, auf Meinungsroboter zu verzichten. Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer H\u00f6hn sprach von einer Gefahr f\u00fcr die Demokratie. Die Bots k\u00f6nnten ein falsches Meinungsbild konstruieren und indirekt die Sicht auf die Welt manipulieren. Die politischen Akteure st\u00fcnden hier in der Verantwortung.<br \/>\nSocial Bots nutzen K\u00fcnstliche Intelligenz, um in sozialen Netzwerken eigenst\u00e4ndig nach Themen zu suchen, Beitr\u00e4ge weiterzuverbreiten und Kommentare abzugeben, die so aussehen wie Posts von echten Nutzern. AfD-Bundesvorstand Alice Weidel hatte dem &#8222;Spiegel&#8220; gesagt, Social Bots w\u00fcrden &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220; zur Wahlkampf-Strategie geh\u00f6ren, um die Positionen der Partei zu verbreiten.<br \/>\nVerboten seien solche Social Bots nicht, sagte der Wissenschafts-Journalist Peter Welchering im Deutschlandfunk [AUDIO] . Allerdings berge der Einsatz solcher Programme einige Gefahren f\u00fcr die Demokratie: &#8222;Es ist so etwas \u00e4hnliches wie die Automatisierung der politischen Willensbildung.&#8220;<\/p>\n<p>Twitter-Bots f\u00fcr Trump und Clinton<br \/>\nDass Social Bots die Meinung beeinflussen k\u00f6nnen und daf\u00fcr auch eingesetzt wurden und werden, gilt als erwiesen. Der Politikwissenschaftler Simon Hegelich von der TU M\u00fcnchen hat herausgefunden, dass ein ganzes Heer an Bots den Ukraine-Konflikt mit faschistischen \u00c4u\u00dferungen im Internet anheizte. W\u00e4hrend des Brexit-Referendums beobachteten die Soziologen Philip Howard und Bence Kollanyi, dass eine kleine Anzahl an Accounts eine gro\u00dfe Menge an Pro-Brexit-Tweets absetzte.<br \/>\nAuch im laufenden US-Wahlkampf wird massiv auf Bots gesetzt: Laut einer Studie der Oxford University wurde am Tag des ersten TV-Duells und in den Folgetagen ein Drittel der Pro-Trump- Postings auf Twitter vermutlich von Bots generiert, bei Hillary Clinton war es knapp ein Viertel.<br \/>\nDie Wissenschaftler hatten f\u00fcr die Untersuchung pauschal definiert, dass ein typischer Bot mindestens 50 t\u00e4gliche Tweets beziehungsweise 200 Tweets an den untersuchten vier Tagen absetzt. Die Forscher betonen, dass sie nicht sagen k\u00f6nnen, wer die Bots betreibt.<br \/>\nHegelich sieht in den Bots ein Risiko f\u00fcr die Demokratie. Die Hauptgefahr bestehe darin, dass etwa Politik, Medien oder Einzelpersonen aus den Posts der Bots eigene Entscheidungen ableiten k\u00f6nnten. Bots k\u00f6nnten so dazu beitragen, dass eine politische Stimmung kippe.<br \/>\nMeinungsmache oder intelligente Helfer?<br \/>\nDabei m\u00fcssen Social Bots per se nichts Schlechtes sein. Darauf weist zum Beispiel Mathias Richel von der Agentur TLGG hin, der 2013 den Online-Wahlkampf der SPD begleitet hat.<br \/>\nBot-Software, die sich mit Menschen unterh\u00e4lt, wird nach Ansicht von Microsoft-Manager Peter Jaeger ma\u00dfgeblich die n\u00e4here Zukunft pr\u00e4gen. Dabei gehe es darum, die menschlichen F\u00e4higkeiten zu erg\u00e4nzen, eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine zu erstellen, nicht gegen die Maschine. Konkrete Beispiele w\u00e4ren Chat-Bots, die unkompliziert bei der Flugbuchung helfen oder ein Programm, das \u00fcber Fotos von Nutzern Produktempfehlungen abgibt.<br \/>\nFacebook und Google liefern sich momentan ein Rennen um die besseren Chat-Bots in ihren Messengern &#8211; hier werden sie &#8222;pers\u00f6nliche Assistenten&#8220; genannt. Google hat Ende September seinen Dienst &#8222;Allo&#8220; gestaret &#8211; als Konkurrenz zum Facebook-Konkurrenten WhatsApp. Nutzer k\u00f6nnen sich von &#8222;Allo&#8220; per Chat zum Beispiel Informationen zum Wetter, zu Restaurants in der N\u00e4he oder Reisem\u00f6glichkeiten anzeigen lassen oder ihm auch Wissensfragen stellen. Au\u00dferdem schl\u00e4gt &#8222;Allo&#8220; auch in Unterhaltungen mit anderen Menschen m\u00f6gliche passende Antworten mit Hilfe k\u00fcnstlicher Intelligenz vor.<br \/>\nNSA-Enth\u00fcller Edward Snowden riet wegen der Datenschutz-Einstellungen von der Nutzung der App ab. Edward Snowden 21. September 2016<br \/>\nAuch Facebook setzt auf Chatbots, hat seinen Messenger aber f\u00fcr die &#8222;Assistenten&#8220; vieler verschiedener Anbieter ge\u00f6ffnet. Medien, Fluggesellschaften oder Banken sollen so k\u00fcnftig direkt per Chat mit ihren Kunden in Verbindung treten.<br \/>\nFacebooks Plan dahinter ist, den Messenger auch in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden zu etablieren und damit Geld zu verdienen. Auch der Messenger verzichtet deshalb auf standardm\u00e4\u00dfige Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung, sondern l\u00e4sst sie nur auf Wunsch zuschalten.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;.<br \/>\nhttp:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/wahl-in-amerika\/politikberater-trumps-wahlkampf-wird-wie-von- einem-verrueckten-gefuehrt-14504282.html<br \/>\nDigital campaigning in Amerika<br \/>\nWahlwerbung f\u00fcr kaukasische Demokraten mit braunem Haar<br \/>\nIn den letzten Tagen vor der Wahl k\u00e4mpfen Clinton und Trump um die Unentschlossenen. Neue Technologien sorgen daf\u00fcr, dass sie so gezielt angesprochen werden k\u00f6nnen wie nie zuvor &#8211; doch die Unterschiede zwischen beiden Lagern sind gewaltig, sagt Politikberater Jim Walsh. 30.10.2016, von Oliver Georgi, Washington<br \/>\nJim Walsh arbeitet seit vielen Jahren f\u00fcr demokratische Wahlkampfteams in den Vereinigten Staaten und wurde vom Magazin \u201eCampaigns &amp; Elections\u201c vor einiger Zeit zum \u201eInfluencer 50\u201c gew\u00e4hlt, zu einem der einflussreichsten Berater im Bereich des digitalen Wahlkampfes. Als Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Unternehmens \u201eDSPolitical\u201c hat sich Walsh einen Namen gemacht, weil er neue Techniken entwickelte, mit denen Wahlbotschaften viel zielgenauer als bislang auf die jeweiligen Empf\u00e4nger zugeschnitten werden k\u00f6nnen. Bei dieser Wahl, bei der der Kampf um die Unentschlossenen so hart gef\u00fchrt wird wie lange nicht mehr, k\u00f6nnte das bedeutend werden &#8211; und das Rennen am Ende vielleicht sogar entscheiden.<br \/>\nAutor: Oliver Georgi, Redakteur in der Politik.<br \/>\nMr. Walsh, Sie besch\u00e4ftigen sich seit langem mit digitalen Wahlkampagnen. Wie geschickt nutzen Hillary Clinton und Donald Trump dieses Werkzeug?<br \/>\nHillary Clinton und ihr Team wissen sehr genau, wie digital campaigning funktioniert, und r\u00e4umen ihm sicherlich einen hohen Stellenwert ein. Barack Obama, der immer f\u00fcr seine neue Art des Wahlkampfes ger\u00fchmt wird, verwendete 2012 rund 15 Prozent seines Medienbudgets f\u00fcr digitale Wahlwerbung, bei Clinton sind es sicher 30 bis 40 Prozent. Bei Donald Trump sieht die Sache hingegen anders aus, sein Wahlkampf wird generell wie von einem Verr\u00fcckten gef\u00fchrt. Das gilt auch f\u00fcr seine digitalen Aktivit\u00e4ten.<br \/>\nHaben Sie ein konkretes Beispiel?<br \/>\nJa, mich selbst. Wer sich nur ein bisschen mit mir besch\u00e4ftigt, merkt schnell, dass ich in den letzten Jahren ausschlie\u00dflich f\u00fcr demokratische Kampagnen gearbeitet habe. Meine politische Pr\u00e4ferenz ist also alles andere als ein Geheimnis. Trotzdem war die einzige digitale Wahlwerbung, die ich bislang vom Trump-Lager erhalten habe, eine Spendenaufforderung. Das zeigt, wie planlos Trumps Team agiert. Ich glaube, es hat in der amerikanischen Geschichte noch nie eine Wahlkampagne gegeben, die so dumm und undiszipliniert war wie seine. Jede Schlagzeile ist eine gute Schlagzeile, das ist das Einzige, woran Trump glaubt. Was in der Schlagzeile steht, ist ihm herzlich egal.<br \/>\nMit Ihrem Unternehmen haben Sie in den vergangenen Jahren an personalisierter digitaler Wahlwerbung gearbeitet. Was ist das Neue daran?<br \/>\nFr\u00fcher kannten Wahlk\u00e4mpfer von ihren W\u00e4hlern nur die Postleitzahl. Das hei\u00dft, wenn es darum ging, die 5000 Unentschlossenen unter 100.000 W\u00e4hlern zu \u00fcberzeugen, musste man die Kampagne trotzdem f\u00fcr alle machen und verbrannte damit einen Haufen Geld. Noch dazu war die Werbung vielleicht nicht f\u00fcr alle die richtige, weil man zwar manche unentschlossenen entt\u00e4uschten Republikaner davon \u00fcberzeugen konnte, jetzt demokratisch zu w\u00e4hlen, daf\u00fcr aber nicht mehr die entt\u00e4uschten Demokraten, die vielleicht eine andere Ansprache gebraucht h\u00e4tten. Mit der neuen Technik k\u00f6nnen wir die verschiedenen Gruppen nun viel genauer als fr\u00fcher identifizieren und sie individuell mit der passenden Wahlwerbung bespielen.<br \/>\nWie funktioniert das?<br \/>\nVereinfacht gesagt kaufen wir gewaltige Mengen an Cookie-Daten, die von speziellen Datenh\u00e4ndlern angeboten werden. Unserem Unternehmen geh\u00f6ren rund 800 Millionen Cookie- Daten, die Nutzer im Netz hinterlassen haben: Wer hat sich wann auf welchem Browser eingeloggt, welche Mailadresse hat er in Diensten wie Amazon oder Yahoo benutzt, welche Seiten hat er besucht? Diese Datens\u00e4tze vergleichen wir dann mit den sehr detaillierten W\u00e4hlerdaten, die in Amerika in vielen Bundesstaaten \u00f6ffentlich sind, und suchen nach Gemeinsamkeiten.<br \/>\nWenn zum Beispiel die Adresse, die Telefonnummer oder die Mailadresse aus der W\u00e4hlerliste mit denen im Cookie-Datensatz \u00fcbereinstimmt, kann man mit gro\u00dfer Sicherheit von einem eindeutigen Treffer ausgehen. Diesem Cookie k\u00f6nnen wir k\u00fcnftig gezielt Wahlwerbung \u00fcbermitteln. Bei anderen Datens\u00e4tzen ist die \u00dcbereinstimmung nicht so eindeutig, in diesen F\u00e4llen gibt es aber immerhin eine hohe Wahrscheinlichkeit. Wir sind so in der Lage, personalisierte W\u00e4hleransprache f\u00fcr bestimmte Gruppen von Cookies und damit f\u00fcr bestimmte Gruppen von W\u00e4hlern zu machen. Zum Beispiel f\u00fcr diejenigen, die beim letzten Mal demokratisch gew\u00e4hlt haben, kaukasische Vorfahren und braunes Haar haben und Star Wars lieben. Oder f\u00fcr Frauen zwischen 29 und 40, die keine Kinder haben, normalerweise eigentlich republikanisch w\u00e4hlen, jetzt aber eher den Demokraten zuneigen.<br \/>\nIn Deutschland w\u00e4re eine solche Aggregation von Daten schon aus Datenschutzgr\u00fcnden unm\u00f6glich &#8211; finden Sie diese Verkn\u00fcpfung nicht verwerflich?<br \/>\nNein, wie Sie wissen, haben wir in Amerika ein etwas anderes Verst\u00e4ndnis von Datenschutz. Zum einen sind die Cookie-Daten entpersonalisiert, das hei\u00dft, ich wei\u00df zwar, welcher Cookie wann und wo in welchem Browser erzeugt wurde, aber nicht, welcher physischen Person die personalisierte Anzeige letztendlich angeboten wird. Es wird auch kein vollst\u00e4ndiges Aktivit\u00e4tsprotokoll eines Nutzers im Internet erstellt. Die Frage ist doch: Was verletzt die Privatsph\u00e4re mehr: Von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr zu gehen und Wildfremde nach ihren politischen Vorlieben zu fragen, wie es in diesem Land gerade jeden Tag tausendfach geschieht? Oder im Rahmen der gesetzlichen M\u00f6glichkeiten geschickte digitale politische Werbung zu machen? Wenn \u00fcberhaupt, dann ist es lediglich verwerflich, dass die W\u00e4hlerdaten \u00fcberhaupt \u00f6ffentlich sind. Aber so steht es in vielen Staaten nun einmal im Gesetz.<br \/>\nF\u00fcr einen Mitteleurop\u00e4er klingt das Ganze trotzdem ein bisschen nach einer Mischung aus Matt Damons Jason Bourne und der Truman Show.<br \/>\nDer Vergleich ist nat\u00fcrlich \u00fcbertrieben, aber ein bisschen ist etwas dran. Wir wollen den potentiellen W\u00e4hler \u00fcber seinen ganzen Tag mit der passenden Werbung begleiten: Er steht auf, schaltet sein Handy ein und sieht eine personalisierte Wahlwerbung. Sp\u00e4ter, auf seinem Computer im B\u00fcro, ruft er seine privaten Mails ab und sieht wieder eine personalisierte Wahlwerbung, weil wir auch den Cookie im Browser seines Dienstrechners kennen. Wenn er nach Feierabend wieder zuhause ist und auf seinem Tablet nach neuen DVDs schaut, sieht er wieder eine personalisierte Wahlwerbung. Die Idee ist: Egal wo der W\u00e4hler gerade ist, er sieht \u00fcberall die auf ihn zugeschnittene Anzeige. F\u00fcr Wahlkampagnen ist diese Zielgenauigkeit von unsch\u00e4tzbarem Wert.<br \/>\nWie gro\u00df ist die \u00dcbereinstimmungsrate zwischen W\u00e4hler- und Cookie-Daten?<br \/>\nWir haben mittlerweile eine \u00dcbereinstimmungsrate von 80 Prozent erreicht. Das hei\u00dft, von den W\u00e4hlern, \u00fcber deren Daten wir verf\u00fcgen, k\u00f6nnen wir auch den allergr\u00f6\u00dften Teil mit der passenden Wahlwerbung bespielen.<br \/>\nWird es in ein paar Jahren auch personalisierte Wahlwerbung im Fernsehen geben?<br \/>\nIch kann mir das vorstellen. Vielleicht schaue ich bei der \u00fcbern\u00e4chsten Wahl eine Sendung auf CNN, und in den Pausen l\u00e4uft die eigens auf mich zugeschnittene Wahlwerbung. Aus Sicht eines Wahlk\u00e4mpfers w\u00e4re das ein Traum.<br \/>\n\u00dcber das Wichtigste haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen: Nutzt Hillary Clinton nun eigentlich Ihre Technik?<br \/>\nBei uns gilt die Regel, dass wir dar\u00fcber keine Auskunft geben. Aber sagen wir mal so: Ich arbeite nicht f\u00fcr die Republikaner.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;.<br \/>\nhttp:\/\/www.deutschlandfunk.de\/social-bots-kampf-gegen-die-automatisierte- netzpropaganda.761.de.html?dram:article_id=357591<br \/>\n18.06.2016<br \/>\nSocial Bots<br \/>\nKampf gegen die automatisierte Netzpropaganda<br \/>\nIn den sozialen Netzwerken und in den Kommentarspalten der Medien ist der Meinungskampf in vollem Gange. Diese Netzdebatten sind anf\u00e4llig f\u00fcr Manipulationen. Hinter der Netzpropaganda steckt dabei oft Software, sogenannte Bots. Ein Verbundprojekt aus Wissenschaftlern, Journalisten und IT-Fachleuten m\u00f6chte diesen automatisierten Falschmeldern nun Einhalt gebieten.<br \/>\nVon Benedikt Schulz<br \/>\n&#8211; &#8222;H\u00f6rt endlich mal damit auf, uns Unsinn zu erz\u00e4hlen.&#8220;<br \/>\n&#8211; &#8222;Die Bev\u00f6lkerung hat die Nase voll von unseren unf\u00e4higen Volksverdummern.&#8220; &#8211; &#8222;Eigentlich sollte man Merkel vor Gericht stellen und verurteilen.&#8220;<br \/>\nKommentare, die unter einem Onlineartikel stehen. Der Ton in den sozialen Netzwerken und in den Kommentarspalten der Medien ist rau, teilweise geh\u00e4ssig. Gerade dann, wenn es um Reizthemen geht, die viele Menschen bewegen, etwa Fl\u00fcchtlinge oder der Ukraine-Konflikt. Nur dass hinter vielen Kommentaren, Tweets, Facebook-Likes gar keine Menschen stecken, sondern Software.<br \/>\n&#8222;F\u00fcr Gesellschaften und Demokratien ist das gef\u00e4hrlich. Viele Menschen, die soziale Netzwerke nutzen, Twitter und Facebook, wissen nicht, ob der Inhalt, den sie sehen von Bots generiert wurde.&#8220;<\/p>\n<p>Der kanadische Soziologe Phil Howard erforscht seit Jahren die Verwendung von Social Bots, Programmen, die selbstst\u00e4ndig in sozialen Netzwerken massenhaft kommentieren, liken, followen. Und die inzwischen so fortgeschritten sind, dass sie von echten Nutzern kaum zu unterscheiden sind.<br \/>\n&#8222;Das ist durchaus vergleichbar mit dem Assistenten, die man inzwischen vom Smartphone her kennt. Die reagieren ja auch schon auf meine Anfragen. Und so \u00e4hnlich kann man sich diese Algorithmen auch vorstellen, die dann unter Umst\u00e4nden auch Diskussionen selbstst\u00e4ndig f\u00fchren.&#8220; PropStop soll die Bots bek\u00e4mpfen<br \/>\nChristian Grimme arbeitet am Institut f\u00fcr Wirtschaftsinformatik der Uni M\u00fcnster und ist federf\u00fchrend beteiligt am Verbundprojekt PropStop. Zusammen mit Kommunikationswissenschaftlern, Statistikern, Journalisten und einem IT-Sicherheitsunternehmen soll PropStop in den kommenden drei Jahren Mittel und Wege finden, die automatisierte Netzpropaganda zu bek\u00e4mpfen. Denn die hat das Potenzial f\u00fcr gro\u00dfen gesellschaftlichen Schaden, weil sie die \u00f6ffentliche Meinung beeinflussen, Diskussionen vergiften und nach Ansicht von Phil Howard sogar direkten politischen Einfluss haben kann.<br \/>\n&#8222;Ich glaube, bei Wahlen liegt die Gefahr darin, dass sich die meisten W\u00e4hler in Demokratien erst maximal drei Tage vor der Wahl entscheiden. Und da besteht das Risiko, dass etwa ein Twitter-Bot in diesen drei Tagen massenhaft Falschinformationen und L\u00fcgen kreiert und manchen Kandidaten wichtige Prozentpunkte kosten kann.&#8220;<br \/>\nDie Art und Weise, wie Bots eingesetzt werden, hat sich dabei ver\u00e4ndert, meint Howard. Fr\u00fcher war ein Bot nur dazu da, eine Meinung oder einen Kandidaten besonders popul\u00e4r erscheinen zu lassen. Inzwischen ist eher gezielte Manipulation an der Tagesordnung.<br \/>\n&#8222;Bots werden von Politikern nicht so sehr genutzt, um einen bestimmten Standpunkt zu verbreiten, sondern um die Leute zu verwirren.&#8220;<br \/>\nUnterschiedliche Ans\u00e4tze zum Erkennen der automatisierten Netzpropaganda<br \/>\nNur ein Beispiel: Wer etwa gezielt nach der Positiv-Formel #refugeeswelcome sucht, bekommt bei Twitter immer mehr fremdenfeindliche Inhalte pr\u00e4sentiert. Die gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die Wissenschaftler von PropStop liegt darin, Bots und die darin enthaltene Propaganda als solche zu erkennen. Der L\u00f6sungsansatz lautet: Big Data. Kommunikationswissenschaftler untersuchen die Inhalte der Posts, Informatiker sammeln technische Daten, aus welcher Region stammt der Post und so weiter.<br \/>\n&#8222;Es gibt L\u00e4nder, die aufgrund ihrer rechtlichen Begebenheiten, sagen wir mal, mehr Freiheiten erlauben beim Betreiben von Bot-Netzwerken als andere. Also, hier k\u00f6nnten Hinweise daf\u00fcr liegen, dass es sich um Bots handelt. Zus\u00e4tzlich zu dieser eher technischen Perspektive sollen Verfahren entwickelt werden, die Propaganda-Bots erkennen k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nWie diese Verfahren genau aussehen werden, das ist derzeit noch offen, die Arbeit hat erst angefangen. Ob sie in Zukunft wirklich gestoppt werden k\u00f6nnen, ist allerdings fraglich, alleine schon deshalb, weil die Software immer besser wird, der Kampf dadurch eher einem Wettrennen gleicht. Aber, meint der kanadische Soziologe Howard:<br \/>\n&#8222;Was wir aktiv tun k\u00f6nnen, ist ganz einfach unseren Freunden, unsere Familien zu erkl\u00e4ren, was Bots eigentlich sind. Mehr \u00f6ffentliche Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Umgang mit sozialen Netzwerken ist ein guter Weg, gegen die Bots zu k\u00e4mpfen.&#8220;<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;.<br \/>\nhttp:\/\/www.deutschlandfunk.de\/soziale-netzwerke-diskussion-mit-propaganda-bots.684.de.html? dram:article_id=307268<br \/>\n27.12.2014<br \/>\nSoziale Netzwerke<br \/>\nDiskussion mit Propaganda-Bots<br \/>\nSie erkennen Nachrichten, mischen sich in Diskussionen ein und antworten wie echte Menschen: Propaganda-Bots. So k\u00f6nnen sie ein politisches Meinungsbild beeinflussen. Bots gegnerischer Seiten k\u00f6nnen sogar miteinander diskutieren. Die R\u00fcckverfolgung der Netzwerke ist bislang schwierig.<br \/>\nPeter Welchering im Gespr\u00e4ch mit Manfred Kloiber<br \/>\nKloiber: Der Konflikt um die Krim hat es in diesem Jahr noch einmal deutlich gemacht: Viele Staaten nutzen Soziale Medien f\u00fcr ihre Propaganda. Aber nicht immer sitzen Menschen an den Rechnern, die auf Facebook, Twitter &amp; Co f\u00fcr die Regierungsposition werben, mit Gegnern diskutieren oder sie einfach nur ver\u00e4chtlich zu machen versuchen. Daf\u00fcr wird zunehmend Software eingesetzt. Und \u00fcber die wird auch im Hamburger Kongresszentrum diskutiert. Wie sieht diese Software aus, Peter Welchering?<br \/>\nWelchering: Diese Propaganda-Bots haben eine semantische Abteilung und eine Abteilung, um Nachrichten, Tweets usw. erkennen zu k\u00f6nnen. Ihnen wird eine Position mit einer weitgehenden inhaltlichen Beschreibung vorgegeben und dann mischen sie sich aktiv in Diskussionen auf Twitter oder Facebook oder auf Blogs ein und verbreiten die Botschaften die ihre Herren und Meister gern im Netz h\u00e4tten. Und sie antworten eben auch auf Posts des Gegners.<br \/>\nKloiber: Wer setzt solche Propaganda-Bots ein?<br \/>\nWelchering: Viele Staaten und Regierungen. Regierungen, die einen Wahlkampf gewinnen wollen. Staaten, die sich in der Welt\u00f6ffentlichkeit gegen einen anderen Staat durchsetzen wollen. Joachim Scharloth von der TU-Dresden, der hier auf der 31C3 einen Vortrag \u00fcber Propaganda-Bots h\u00e4lt, sagt dar\u00fcber:<br \/>\nJoachim Scharloth: &#8222;Wir wissen, dass die auch im Regierungsauftrag entwickelt werden. Von der DARPA [Forschungsagentur des US-Verteidigungsministeriums, Anm. der Redaktion] gibt es eine Ausschreibung, die die Entwicklung solcher Tools vorsieht. Auch Russland hat eine Million gerade investiert in &#8218;Storm 13&#8216;, das genau daf\u00fcr gemacht ist vom Auslandsgeheimdienst, soziale Netzwerke inhaltlich zu beeinflussen.&#8220;<br \/>\nKloiber: Wie aufwendig ist es, solch einen Propaganda-Bot zu bauen?<br \/>\nWelchering: Wer solch einen Bot baut, braucht klare Vorgaben, wie sein Auftraggeber in der Diskussion erscheinen will, also etwa: heimatverbunden, kraftvoll usw. Den Rest erledigt eine semantische Matrix, die die Tweets und Post usw. generiert. Dann gibt es noch Erkennungssoftware, die die Tweets und Posts der Gegner erkennt und an die semantische Matrix weitergibt. So entstehen dann automatische Antworten und sogar ganze Diskussionen. Und nat\u00fcrlich ist daf\u00fcr ein Bot-Netzwerk n\u00f6tig. Solche Bot-Netzwerke kann man mieten. Man kann sie auch mit mehr oder weniger Standardsoftware aufbauen, indem man fremde Rechner kapert.<br \/>\nKloiber: Gibt es Software, um solche Bots zu erkennen und unsch\u00e4dlich zu machen?<br \/>\nWelchering: Die steckt noch in den Anf\u00e4ngen. Erkennen kann man ihn daran, dass der Bot Botschaften nach einem bestimmten Muster generiert. Die R\u00fcckverfolgung ist so schwierig wie bei jedem Bot-Netzwerk. Gekaperte Rechner, die k\u00f6nnen identifiziert werden. Entscheidend ist der Kontrollrechner \u2013 das ist so schwierig, wie bei jedem anderen Bot-Netzwerk.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-.<br \/>\nhttp:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/wie-big-data-das-wahlgeheimnis-aushebelt-wir-wissen-wen- du-waehlen-wirst-12553613.html<br \/>\nWie Big Data das Wahlgeheimnis aushebelt Wir wissen, wen du w\u00e4hlen wirst<br \/>\nMoment der Wahrheit bei Google in Berlin: Ein amerikanischer Wahlkampf-Veteran schildert freim\u00fctig, wie sich Daten zur W\u00e4hlerbeeinflussung nutzen lassen. Und bittet die Datensch\u00fctzer im Saal, kurz mal Kaffee trinken zu gehen.<br \/>\n31.08.2013, von Stefan Schulz<br \/>\nMan muss es nicht genau wissen, es versteht sich heute von selbst. Wenn Google den W\u00e4hlern hierzulande in den Wochen vor der Wahl erstmals seine in vielen L\u00e4ndern erprobte Wahlseite zeigt, geht es nicht nur darum, \u00fcber Wahlkreise, Kandidaten und Landeslisten aufzukl\u00e4ren. Google wird sich im Gegenzug in gleichem Ma\u00dfe daf\u00fcr interessieren, wie die W\u00e4hler dieses Informationsangebot benutzen \u2013 und jeden einzelnen Klick genau analysieren. Das Angebot Googles, das darin besteht, den W\u00e4hlern auf einfache Weise die 3500 Kandidaten f\u00fcr den Bundestag vorzustellen, ist kostenlos. Die Nutzer zahlen mit ihren Daten. So weit, so bekannt.<br \/>\nAls am Donnerstagabend die deutsche Vertretung des Unternehmens Journalisten, Wahlk\u00e4mpfer und Interessierte nach Berlin einlud, um die Google-Projekte zur Wahl vorzustellen, stand allerdings bald selbst Googles Mitarbeitern der Schrecken im Gesicht. Den Hauptvortrag hielt Julius van de Laar, der f\u00fcr Barack Obama im entscheidenden Bundesstaat Ohio Wahlkampf gef\u00fchrt hatte. Er berichtete, was man aus dem digitalen Wahlkampf in Amerika inzwischen gelernt habe. Es ging erst einmal ums Geld: \u201eMeine G\u00fcte, 1,2 Milliarden Dollar hatten wir zur W\u00e4hlermobilisierung zur Verf\u00fcgung\u201c, begann van de Laar, um gleich darauf zu sprechen zu kommen, was die amerikanischen Wahlk\u00e4mpfer unter \u201eW\u00e4hlermobilisierung\u201c heute verstehen.<br \/>\nDie Datensch\u00fctzer k\u00f6nnen jetzt kurz rausgehen<br \/>\nDie Ausgangslage 2012 sei schlecht gewesen. Acht Prozent Arbeitslosigkeit, 41Prozent Zustimmungsrate f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten, \u201edazu eine katastrophale Performance des Kandidaten im ersten Fernsehduell\u201c. Allein in der politischen Message habe die Obama-Kampagne klar vorn gelegen. \u201eMitt Romney \u2013 Killerkapitalist\u201c, das lie\u00df sich gut verkaufen, wie auch \u201eGeneral Motors am Leben, Usama Bin Ladin tot\u201c. Die wichtigste Frage, die sich van de Laars Team in Ohio stellte, war, wie man \u201eden Wirkungsgrad des Wahlkampfs steigern k\u00f6nne\u201c, wie sich \u201edie richtigen W\u00e4hler effektiver erreichen\u201c lassen \u2013 und wie man einen Bogen um die W\u00e4hler macht, die man schon verloren gab.<br \/>\n\u201eForce Multiplication\u201c hie\u00df das Programm, das jede Botschaft aus dem Wahlkampf ausmerzte, um Platz f\u00fcr \u201eTechnologie und Daten\u201c zu schaffen. \u201eEs ging um Zahlen, Daten und Fakten, nicht um politische Botschaften aus den Hinterzimmern.\u201c Es ging um \u201eBig Data\u201c, wor\u00fcber \u201ezuletzt einige Texte erschienen, die die Debatte nun sehr schwer machen\u201c, sagte van de Laar. \u201eDie Datensch\u00fctzer unter Ihnen, wenn Sie kurz raustreten wollen und sich einen Kaffee holen wollen. Kommen Sie in zehn Minuten wieder\u201c, fuhr van de Laar fort, um darauf zu sprechen zu kommen, wie das \u201eMicro- Targeting\u201c, die planvolle und gezielte W\u00e4hleransprache der Obama-Kampagne, funktionierte.<br \/>\nAusgangspunkt seien die in Amerika gef\u00fchrten W\u00e4hlerlisten gewesen. Sie beinhalten Namen und Telefonnummern und f\u00fchren auf, ob die W\u00e4hler an den demokratischen oder republikanischen Vorwahlen teilgenommen hatten. Im zweiten Schritt \u201ehaben wir uns einfach einen Haufen Daten gekauft\u201c, sagte van de Laar. \u201eSie kennen Payback?\u201c, fragte er ins Publikum. \u201eWir gehen da hin und sagen: ,Payback, bitte einmal die Daten ausspucken.\u2018\u201c Diese Daten, die das Einkaufsverhalten der W\u00e4hler aufzeigen, die die Payback-Bonuskarte verwenden \u2013 was van de Laar als ein Beispiel unter vielen nannte \u2013, seien mit den Daten aus dem W\u00e4hlerregister fusioniert worden.<br \/>\nF\u00fcr jeden potentiellen Obama-W\u00e4hler wurde ein Datenbankeintrag angelegt und st\u00e4ndig erweitert. Auch das Verhalten im Internet war f\u00fcr die Wahlk\u00e4mpfer von Interesse. Mit \u201eCookie-Targeting\u201c wurde das Online-Verhalten der W\u00e4hler \u00fcber deren Computer ausgesp\u00e4ht und ausgewertet. \u201eSocial Media, Data Mining, Data Matching\u201c seien die Kernpunkte des Vorhabens gewesen, das sich \u201epredictive analytics\u201c nennt \u2013also auf Vorhersagen abzielte. \u201eWir wollten herausfinden, wer die Personen waren, die sehr wahrscheinlich nicht w\u00e4hlen gehen, aber uns w\u00e4hlen w\u00fcrden, wenn sie doch hingingen\u201c, benannte van de Laar das Anliegen.<br \/>\nSympathisanten-Schulung via iPhone-App<br \/>\nMan habe herausgefunden, dass 78 Prozent der Menschen, denen von Freunden oder Bekannten empfohlen wurde, Obama zu w\u00e4hlen, tats\u00e4chlich f\u00fcr den Demokraten stimmten. Das Team konzentrierte sich also auf eine zweite Zielgruppe: Menschen, die Obama sicher w\u00e4hlen w\u00fcrden und zus\u00e4tzlich bereit seien, ihren Freunden und Nachbarn davon zu erz\u00e4hlen. 21000 Freiwillige habe man in den drei Wochen vor der Wahl allein in Ohio mobilisiert. Sie klopften an mehr als 800 000 Haust\u00fcren.<br \/>\nEine iPhone-App gab im Wortlaut vor, wie ein Gespr\u00e4ch zu er\u00f6ffnen und zu f\u00fchren sei \u2013 und erinnerte mit Nachdruck daran, unbedingt fehlende Daten zu erfassen. \u201eWir wollten nicht einfach nur, dass Leute rumlaufen und mit irgendwelchen Menschen sprechen, wir wollen nachvollziehen, was genau dort passiert. Wir wollen wissen, wie die Konversationen laufen und welche Informationen wir da herausziehen k\u00f6nnen\u201c, sagte van de Laar. Der Haust\u00fcrwahlkampf sei wahlentscheidend gewesen. 750 festangestellte Mitarbeiter besch\u00e4ftigte das Wahlkampfteam in Ohio, doch entscheidend sei die Arbeit der Freiwilligen gewesen.<br \/>\n\u201eDie Daten waren der Wahnsinn\u201c<br \/>\nLetztlich wurde eine Parallelkampagne unter dem Titel \u201eIt\u2019s about YOU\u201c entwickelt. Das \u201eYOU\u201c bezog sich auf die Tausenden von Freiwilligen, die den Haust\u00fcrwahlkampf f\u00fchrten und das wichtigste Element des Wahlkampfs zur Verf\u00fcgung stellten: pers\u00f6nliche Beziehungen zu denjenigen, die noch zu \u00fcberzeugen waren. Doch nicht nur an der Haust\u00fcr habe man sich direkt eingemischt. Alsbald wurde fast jeder Sympathisant zum Freiwilligen. Geholfen hat die moderne Technik: \u201eWir wollten, dass sich die Leute mit Facebook auf Obamas Internetseite anmelden, um einen Komplettzugriff auf deren Profildaten zu erhalten. Die Daten, die wir hatten, waren der Wahnsinn, und nat\u00fcrlich schauten wir sie uns an, wann es uns passte\u201c, sagte van de Laar. Ein Raunen ging durch den Saal. Dabei hatte van de Laar den entscheidenden Trick noch nicht genannt: W\u00e4hler, die sich per Facebook auf Obamas Internetseite anmeldeten, willigten auch ein, dass die Kampagne im Namen der Nutzer Botschaften auf Facebook verbreiten durfte.<br \/>\n\u201eSie k\u00f6nnen sich vorstellen, was f\u00fcr ein riesiges Asset das in diesem Wahlkampf war.\u201c Die M\u00f6glichkeit, die digitale Kommunikation zwischen den W\u00e4hlern steuern zu k\u00f6nnen, \u201ewar deutlich effektiver\u201c als jedes andere Bem\u00fchen im Wahlkampf, sagte van de Laar, weil dadurch \u201edie Authentizit\u00e4t noch einmal deutlich gest\u00e4rkt wurde\u201c. Die W\u00e4hler konnten schlicht nicht mehr unterscheiden, wann sie es mit ihren Nachbarn oder der Kampagne zu tun bekamen. F\u00fcr die Wahlk\u00e4mpfer der politischen Parteien im Raum verwies van de Laar auf eine Studie von Infratest Dimap. Auch in Deutschland informierten sich W\u00e4hler vorrangig im direkten Gespr\u00e4ch \u00fcber anstehende Wahlen. \u201eDas, was jetzt gemacht wird, ist der Grundstein f\u00fcr die Zukunft, da wird der Trend hingehen\u201c, sagte van de Laar abschlie\u00dfend.<br \/>\nIn den \u201eSwing States\u201c wie Ohio stehen die W\u00e4hler besonders unter Beobachtung &#8211; und die Nichtw\u00e4hler sollten enttarnt werden.<br \/>\nMaximal legale Wege f\u00fcr ein besseres Targeting<br \/>\nIn Amerika sei man allerdings schon an Grenzen gesto\u00dfen, f\u00fchrte van de Laar aus. Ein Zeichen des Erfolgs im Haust\u00fcrwahlkampf seien die vielen Zettel gewesen, auf denen Bewohner notierten, dass sie schon l\u00e4ngst \u00fcberzeugt seien, Obama zu w\u00e4hlen und keine weitere St\u00f6rung duldeten. Dass das Wahlrecht den W\u00e4hlern Geheimhaltung zubillige, setzten van de Laars Strategen in einem Fall sogar gezielt au\u00dfer Kraft. Sie wollten Nichtw\u00e4hler in den Nachbarschaften in Dankesbriefen nach der Wahl enttarnen. Diesem Vorhaben, \u201edas 25 Prozent Zuwachs\u201c versprach, setzte eine Morddrohung gegen Mitarbeiter der Kampagne allerdings ein fr\u00fches Ende.<br \/>\n\u201eStalking\u201c nannte das die Pressesprecherin der Piratenpartei, Anita M\u00f6llering, aus dem Publikum. Der von Google mit einem Pauschalgehalt ausgestattete Journalist Tilo Jung, der Googles Videoplattformen f\u00fcr politische Interviews unter dem programmatischen Titel \u201eJung&amp;Naiv\u201c nutzt, wollte von van de Laar wissen, wie mit den Daten nach der Wahl verfahren wurde und was in Deutschland m\u00f6glich sei. Die Daten l\u00e4gen f\u00fcr die n\u00e4chsten Kampagnen bereit, sagte van de Laar. In Deutschland werde der Rahmen des legal M\u00f6glichen noch nicht ausgesch\u00f6pft. Es gebe \u201emaximal legale Wege, noch deutlich st\u00e4rker vorzugehen und ein besseres Targeting zu machen\u201c. \u201eAlles andere\u201c, sagte van de Laar, \u201ew\u00e4re jung und naiv.\u201c<br \/>\nDiesen \u201eExkurs nach Amerika\u201c fand sogar der hiesige Google-Sprecher Ralf Bremer \u201ekontrovers\u201c. Und wandte sich schnell dem n\u00e4chsten Programmpunkt zu, dem Online-Quiz einer Berliner K\u00fcnstlergruppe und damit \u201eeiner Initiative, die wir im Rahmen unserer Seite unterst\u00fctzen, anders als das, was Julius van de Laar eben vorgestellt hat\u201c. Das klang authentisch, man w\u00fcrde es Bremer gern glauben. Doch er ist Sprecher des Unternehmens, das Big Data erfunden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde unserer Stiftung, meine sehr geehrten Damen und Herren, wieder stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Was wird es uns bringen? 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