{"id":57722,"date":"2021-02-06T13:29:04","date_gmt":"2021-02-06T11:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftung-oekologie-u-demokratie.de\/T\/?page_id=57722"},"modified":"2021-02-06T13:29:38","modified_gmt":"2021-02-06T11:29:38","slug":"herausforderung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.stiftung-oekologie-u-demokratie.de\/T\/herausforderung\/","title":{"rendered":"Herausforderung"},"content":{"rendered":"<p>Rede des Vorsitzenden der Stiftung f\u00fcr \u00d6kologie und Demokratie e.V.,<\/p>\n<p>Hans-Joachim Ritter, anl\u00e4sslich der \u00f6ffentlichen Gr\u00fcndungsveranstaltung am<\/p>\n<ol>\n<li>Oktober 1993 im Presseclub Bonn<\/li>\n<\/ol>\n<p>zum Thema<\/p>\n<h4><strong>\u201eSchl\u00e4gt die Natur bereits zur\u00fcck? \u2013 \u00d6kologische Konzepte braucht unser Land\u201c<\/strong><\/h4>\n<p>Weltweit stehen die Zeichen auf Sturm. Das Leben ist bedroht durch<\/p>\n<ul>\n<li>die Bev\u00f6lkerungsexplosion. Vom Anbruch der Geschichte dauerte es bis 1850, dass die Weltbev\u00f6lkerung die erste Milliarde erreichte. 80 Jahre sp\u00e4ter \u2013 1930 \u2013 hatte sie sich auf 2 Milliarden Menschen verdoppelt. F\u00fcr das Jahr 2020 rechnet man mit mehr als 8 Milliarden. Wie diesen Menschenmassen Nahrung, Kleidung, Behausung und Arbeit gegeben werden soll, bleibt ein schier unl\u00f6sbares Problem. Verteilungsk\u00e4mpfe werden die Folge sein. Allein durch die explodierende Bev\u00f6lkerungszahl steigt der Rohstoffverbrauch immens und w\u00e4re bei steigenden Anspr\u00fcchen an den Lebensstandard nicht auszumalen.<\/li>\n<li>Das Leben ist weiterhin bedroht durch die gro\u00dfen Spannungen zwischen arm und reich, eine Schere, die immer gr\u00f6\u00dfer statt kleiner wird.<\/li>\n<li>Das Leben ist bedroht durch die atomare, chemische und bakteriologische Gefahr, aber auch<\/li>\n<li>Durch die Kriegsgefahr aufgrund nationaler Egoismen wie z.B. im ehemaligen Jugoslawien oder in Georgien und Aserbaidschan.<\/li>\n<li>Das Leben ist ferner bedroht durch eine schleichende Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen durch Rohstoff- und Energieverschwendung, durch Belastung der B\u00f6den, des Wassers und der Luft sowie durch Landverbrauch.<\/li>\n<li>Die Klimakatastrophe nimmt Gestalt an. Drei gro\u00dfe verh\u00e4ngnisvolle Ursachen ver\u00e4ndern die Atmosph\u00e4re unseres Planeten:<\/li>\n<\/ul>\n<ol>\n<li>Die Verbrennung der fossilen Kohlenstoffe hat bereits bewirkt, dass der Kohlendioxidgehalt in unserer Atemluft in 120 Jahren um 25 % gestiegen ist und er wird j\u00e4hrlich um 0,5 % weiter steigen, wenn nicht Entscheidendes dagegen unternommen wird. Zwar haben mehr als 150 Staaten im Juni letzten Jahres in Rio die Klimakonvention unterzeichnet, mit der sie sich zu wirksamen Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz verpflichtet haben. Doch darin war keine Zeitvorgabe enthalten. Bedenkt man, dass vor allem die Staaten der sogenannten 3. Welt einen gro\u00dfen Nachholbedarf haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Klimakonvention als reine Absichtserkl\u00e4rung stehen bleibt. Deutschland will zwar den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df bis zum Jahre 2005 um 25 \u2013 30 % &#8211; bezogen auf das Jahr 1987 \u2013 verringern. Doch angesichts des Nachholbedarfs im Osten und einer Politik, die weiterhin auf den Individualverkehr und den Fernstra\u00dfenbau setzt, ist es kaum anzunehmen, dass diese Zielvorgabe erreicht wird.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li>Die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind hauptschuldig am Abbau der Ozonschicht. Erst 1995 wird es bei uns ein Verbot geben.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li>Das Gas Methan ist der dritte Faktor der Klimaver\u00e4nderung. Es entsteht zu 20 % bei Erd\u00f6l- und Erdgasbohrungen sowie aus FCKWs. In der Landwirtschaft entwickelt sich Methan beim Reisanbau und bei der Verdauung der wiederk\u00e4uenden Haustiere \u2013 also letzten Endes infolge der Ern\u00e4hrung einer wachsenden Weltbev\u00f6lkerung.<\/li>\n<\/ol>\n<ul>\n<li>Das Leben ist bedroht durch die Erw\u00e4rmung. Modellrechungen sagen eine globale Erw\u00e4rmung infolge menschlicher Aktivit\u00e4ten von 2 \u2013 7 Grad Celsius im Verlauf der n\u00e4chsten 100 Jahre voraus. Diese Temparatur\u00e4nderung liegt der Gr\u00f6\u00dfenordnung wie der Unterschied zwischen dem heutigen Klima und der letzten Eiszeit mit umgekehrten Vorzeichen und w\u00fcrde wesentliche Ver\u00e4nderungen in den regionalen Klimaverh\u00e4ltnissen der Erde bedingen. Die Polarkappen und Gletscher w\u00fcrden abschmelzen. Ganz Norddeutschland w\u00fcrde untergehen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Das Leben ist ferner gef\u00e4hrdet durch das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Ozonloch, bei dem kein Schutz vor der f\u00fcr die menschliche Haut gef\u00e4hrlichen Sonneneinstrahlung besteht. Hautkrebs w\u00fcrde verst\u00e4rkt auftreten.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Das Leben ist bedroht durch die<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Vernichtung der Regenw\u00e4lder,<\/li>\n<li>Ausbreitung der W\u00fcsten,<\/li>\n<li>Vergiftung der Fl\u00fcsse und Meere,<\/li>\n<li>Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten,<\/li>\n<li>den M\u00fcllnotstand,<\/li>\n<li>den Verkehrsinfarkt,<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber auch<\/p>\n<ul>\n<li>Werteverlust und Orientierungslosigkeit in der westlichen Welt,<\/li>\n<li>sinnloser Konsum,<\/li>\n<li>zunehmende Verantwortungslosigkeit und<\/li>\n<li>Desorientierung in der P\u00e4dagogik kennzeichnen die aktuelle gesellschaftspolitische Lage.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wu\u00dften Sie schon, dass<\/p>\n<ul>\n<li>jede Sekunde 3 neue Erdenb\u00fcrger geboren werden?<\/li>\n<li>jede Sekunde 3.000 qm Wald verloren gehen?<\/li>\n<li>jede Sekunde 1.000 Tonnen Treibgase in die Luft geblasen werden und die Ozonschicht sch\u00e4digen?<\/li>\n<li>jede Sekunde 1.000 Tonnen fruchtbare Erde vernichtet werden?<\/li>\n<li>jede Minute eine Regenwaldfl\u00e4che so gro\u00df wie 3 Fu\u00dfballfelder vernichtet wird?<\/li>\n<li>an jedem Tag ca. 50 Tier- und Pflanzenarten weltweit aussterben?<\/li>\n<li>wir an jedem Tag so viele fossile Brennstoffe verbrennen, die erst wieder einem Menschenleben nachwachsen k\u00f6nnen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass es mit der Rettung der Erde h\u00f6chste Zeit ist, hat auch der amerikanische Vizepr\u00e4sident Al Gore begriffen. Er ist wohl unter den hochrangigen Politikern der einzige, der die Aussagen der \u00d6kologie verstanden hat. Er hat verstanden, dass die Natur ein kompliziertes System von gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeiten ist. Wenn das irdische Gleichgewicht in einem Bereich gest\u00f6rt wird, wirkt sich das auf die anderen aus. Gores Erkenntnisse gipfeln in folgenden S\u00e4tzen:<\/p>\n<p>\u201eDie moderne industrielle Zivilisation, so wie sie gegenw\u00e4rtig organisiert ist, st\u00f6\u00dft aufs heftigste mit dem \u00f6kologischen System unseres Planeten zusammen. Die entfesselte Gewalt ihres Angriffs ist atemberaubend und die schrecklichen Konsequenzen treten so schnell ein, dass sie schon unsere F\u00e4higkeiten, sie zu erkennen und ihre globalen Verflechtungen zu begreifen, \u00fcberfordern, um angemessene und rechtzeitige Gegenma\u00dfnahmen organisieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>In der Zusammenfassung des Berichts \u201eGlobal 2000\u201c aus dem Jahre 1980, der im Auftrag des amerikanischen Pr\u00e4sidenten Carter erarbeitet wurde, hei\u00dft es unter anderem:<\/p>\n<p>\u201eWenn sich die gegenw\u00e4rtigen Entwicklungstrends fortsetzen, wird die Welt im Jahre 2000 noch \u00fcberv\u00f6lkerter, verschmutzter, \u00f6kologisch noch weniger stabil und f\u00fcr St\u00f6rungen anf\u00e4lliger sein als die Welt, in der wir heute leben. Ein starker Bev\u00f6lkerungsdruck, ein starker Druck auf Ressourcen und Umwelt lassen sich deutlich voraussehen. Trotz eines gr\u00f6\u00dferen materiellen Outputs werden die Menschen auf der Welt in vieler Hinsicht \u00e4rmer sein, als wir es heute sind. F\u00fcr Millionen und Abermillionen der Aller\u00e4rmsten wird sich die Aussicht auf Nahrungsmittel und andere Lebensnotwendigkeiten nicht verbessern. F\u00fcr viele von ihnen wird sie sich verschlechtern. Sofern es im Bereich der Technologie nicht zu revolution\u00e4ren Fortschritten kommt, wird das Leben f\u00fcr die meisten Menschen auf der Welt im Jahre 2000 ungewisser sein als heute \u2013 es sei denn, die Nationen der Welt arbeiten entschlossen daraufhin, die gegenw\u00e4rtigen Entwicklungstrends zu ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>Erstmals in der Geschichte sind die V\u00f6lker und die anderen Lebensformen t\u00f6dlich bedroht. Neben der M\u00f6glichkeit atomarer Vernichtung ist die fortschreitende Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Mitwelt durch z\u00fcgellose Expansion des Industriesystems, durch st\u00e4ndiges \u201ewirtschaftliches Wachstum\u201c die entscheidende Lebensfrage unserer Zeit.<\/p>\n<p>\u00dcber und unter Tage wird die Erde ausgepl\u00fcndert, die Meere und Gew\u00e4sser, die B\u00f6den und die Atmosph\u00e4re werden vergiftet. Wir sind Zeuge und Mitt\u00e4ter eines Verdr\u00e4ngungskampfes gegen die anderen Arten, wie es ihn noch nie gab.<\/p>\n<p>Ursachen dieser Fehlentwicklungen sind die materialistischen Anschauungen und Lebensgewohnheiten in den Industriegesellschaften, die weder die Natur noch ethische Gebote als Ma\u00df und Grenze des Machbaren anerkennen. Denn sie opfern unser Natur- Kultur- und Geisteserbe einem blinden Glauben an den technisch-wirtschaftlichen Fortschritt mit l\u00e4ngst sinnlos gewordener Produktions- und Konsumsteigerung.<\/p>\n<p>Die Erhaltung der Natur und der Lebensr\u00e4ume erfordert eine grundlegende, auf alle Lebensbereiche sich erstreckende Umbesinnung, eine tiefgreifende Neuorientierung der<\/p>\n<p>Wert- und Zielvorstellungen. \u00d6kologische Erkenntnisse und Ma\u00dfst\u00e4be m\u00fcssen der entscheidende Bezugspunkt der Wirtschafts- und Lebensweise wie der technischen Entwicklung werden; sie m\u00fcssen als Rahmenbedingungen die marktwirtschaftliche Ordnung bestimmen.<\/p>\n<p>Die Umweltsch\u00e4den in Deutschland beliefen sich 1992 auf rund 200 Milliarden Mark. Dies entspricht 6,8 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Bruttosozialprodukts.<\/p>\n<p>Angesichts der bedrohlichen Situation war der in diesem Jahr verstorbene \u00d6kologie Dr. Herbert Gruhl zu der Auffassung gekommen, dass die menschliche Gattung am Ende ihrer Weisheit ist. Sie hat sich den Erdball r\u00fccksichtslos unterworfen, kann sich nicht z\u00fcgeln und wird sich nie bescheiden k\u00f6nnen. In seinem letzten Werk \u201eHimmelfahrt ins nichts\u201c kam er zu der erschreckenden Erkenntnis, dass die Menschheit nichts dazu gelernt hat, nicht verzichten wird und deshalb das Chaos kommen wird.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Hans-Peter D\u00fcrr, Direktor am Werner-Heisenberg-Institut M\u00fcnchen, erkl\u00e4rt: \u201eWenn ich das augenblickliche Tempo der politischen Willensbildung in Bezug auf die \u00f6kologische Problematik betrachte, so habe ich gr\u00f6\u00dfte Zweifel, dass uns die Zeit f\u00fcr die dringend notwendigen \u00c4nderungen ausreichen wird. Dies hie\u00dfe, dass unsere Anstrengungen im Augenblick bestenfalls darauf hinauslaufen, den Schaden bei zuk\u00fcnftigen Katastrophen zu begrenzen und nicht zu vermeiden. Bei dieser pessimistischen Einsch\u00e4tzung sollten wir jedoch nicht vergessen, dass Lernprozesse und Einsichten Wachstumsprozesse sind, die immer im Winzigkleinen beginnen, ganz m\u00fchevoll eine kritische Gr\u00f6\u00dfe erreichen, um dann aber am Ende pl\u00f6tzlich wie Pilze aus dem Boden zu schie\u00dfen. Wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben und uns dar\u00fcber bewusst werden, dass wir bei diesem Prozess nicht zu passiven Beobachtern verdammt sind, sondern aktive Mitgestalter sein k\u00f6nnen, dann k\u00f6nnte durch unsere Entschlossenheit auch das aus heutiger Sicht fast Unm\u00f6gliche doch noch zu einer echten M\u00f6glichkeit werden.\u201c<\/p>\n<p>Auch bei Professor D\u00fcrr, einem profunden \u00d6kologe unserer Tage, eine sehr pessimistische Einsch\u00e4tzung der \u00f6kologischen Lage. Er gibt aber die Situation nicht v\u00f6llig auf. Ich teile seine Beurteilung.<\/p>\n<p>Die Natur ist anpassungsf\u00e4hig und elastisch, vergleichbar mit einem Luftballon, den man beliebig weit aufblasen kann bis er schlie\u00dflich platzt. Es kommt darauf an, weltweit \u2013 und da m\u00fcssen wir bei uns selber anfangen \u2013 naturvertr\u00e4gliche Konzepte umzusetzen. Dies m\u00fcssen v\u00f6llig neue Ans\u00e4tze sein.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen darauf ein wenig Hoffnung sch\u00f6pfen, dass sich U Thant, der Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen, mit seinem Vorwort zum Bericht des Club of Rome \u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c 1969 hinsichtlich des Zeitraumes geirrt hat. Er schrieb darin:<\/p>\n<p>\u201eIch will die Zust\u00e4nde nicht dramatisieren. Aber nach den Informationen, die mir als Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen zugehen, haben nach meiner Sch\u00e4tzung die Mitglieder dieses Gremiums noch etwa ein Jahrzehnt zur Verf\u00fcgung, ihre alten Streitigkeiten zu vergessen und eine weltweite Zusammenarbeit zu beginnen, um das Wettr\u00fcsten zu stoppen, den menschlichen Lebensraum zu verbessern, die Bev\u00f6lkerungsexplosion niedrig zu halten und den notwendigen Impuls zur Entwicklung zu geben. Wenn eine solch weltweite Partnerschaft innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahr nicht zustande kommt, so werden, f\u00fcrchte ich, die erw\u00e4hnten Probleme derartige Ausma\u00dfe erreicht haben, dass ihre Bew\u00e4ltigung menschliche F\u00e4higkeiten \u00fcbersteigt.\u201c<\/p>\n<p>Er sah im Jahre 1969 f\u00fcr die Menschheit noch eine Galgenfrist von 10 Jahren. Er ist von den Prognosen des Club of Rome ausgegangen. Die tats\u00e4chlichen Wachstumsraten, Energieverbr\u00e4uche usw. sind allerdings \u2013 Gott sei Dank \u2013 geringer ausgefallen. Dies mag die Ursache daf\u00fcr sein, dass sich die Probleme noch nicht in der dramatischen Weise zugespitzt haben.<\/p>\n<p>Die Zeit dr\u00e4ngt sehr. Noch gibt es eine Chance, die drohenden \u00f6kologischen Katastrophen, aber auch die Sinnkrise abzuwenden, wenn jetzt konsequent auf allen Gebieten umgesteuert wird, national wie international, privat wie \u00f6ffentlich. Dazu will die Stiftung f\u00fcr \u00d6kologie und Demokratie e.V. ihren konstruktiven Beitrag leisten. In diesem Sinne sage ich mit Antoine d\u2018 Exupery \u201eIch kann nicht voraussehen, aber ich kann zu etwas den Grund legen. Denn Zukunft baut man.\u201c<\/p>\n<p>Wir brauchen weltweit schnellstens Ordnungsstrukturen, bei der der \u201eUmweltschutz\u201c nicht nur als Reparaturunternehmen eines st\u00e4ndigen wirtschaftlichen Wachstums begriffen wird, sondern als mitwelt- und nachweltorientierte \u00dcberlebenspolitik. Im Zentrum steht hier eine \u00f6kologische Energiepolitik. Weder das Verbrennen fossiler Energien, noch der Einsatz von Atomkraft ist wegen ihrer Gefahren und Belastungen f\u00fcr eine Mitwelt \u00f6kologisch vertretbar. Hinzu kommt noch die Knappheit der Ressourcen. Die Reichweiten der Ressourcen h\u00e4ngen entscheidend von der zuk\u00fcnftigen Entwicklung des Verbrauchs ab. Nimmt man eine Steigerungsrate von 3 % an, so reichen die Vorr\u00e4te an Erd\u00f6l etwa noch 45 Jahre, Erdgas 60 Jahre. Da die Zuwachsraten von Kohle kleiner sind, kommt man hier heute auf Reichweiten von etwa 220 Jahren. Bei 3 % Steigerung ist die Verdoppelungsrate 23 Jahre, was bedeutet, dass sich bei einer Verdoppelung der heute gesch\u00e4tzten abbaubaren energiem\u00e4\u00dfigen Ressourcen und bei Fortschreiten dieses Anstieges lediglich eine Verl\u00e4ngerung der Galgenfrist um 23 Jahre ergibt.<\/p>\n<p>Auch durch eine extreme Ausweitung der Atomenergie lie\u00dfe sich diese prek\u00e4re Situation nicht wesentlich entsch\u00e4rfen. Noch kritischer erscheinen die Engp\u00e4sse auf der Entsorgungsseite. Aufgrund der begrenzten Tragf\u00e4higkeit des \u00d6ko-Systems hat Professor D\u00fcrr eine Reduzierung des mittleren Energieverbrauchs pro Person von 52.000 kwh im Jahr auf 13.000 kwh im Jahr oder 1,5 kwh pro Stunde gefordert. Die erste Halbierung k\u00f6nne durch rationellere Energienutzung erreicht werden, weitere Einsparungen aber nur durch eine v\u00f6llige \u00c4nderung unseres Lebensstils.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen dazu \u00fcbergehen, den zuk\u00fcnftigen Energiebedarf nur noch durch erneuerbare Energiequellen (Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Erdw\u00e4rme) zu decken. In einer Zeit, wo \u00fcber Stellenabbau geklagt wird, ist dies eine gigantische innovative Herausforderung! Wir brauchen \u00f6kologische Konzepte in allen Politikbereichen, in der Verkehrspolitik, der Landwirtschaftspolitik, der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Energiepolitik, in der Bau- und Planungspolitik usw.<\/p>\n<p>Wir ben\u00f6tigen dringend eine Neuorientierung in unseren Werten, da der Lebensstil in den industriealisierten L\u00e4ndern auf eklatante Weise die \u00f6kologische Nachhaltigkeit verletzt. Das Ziel der k\u00fcnftigen Werte darf nicht mehr die Erf\u00fcllung beliebig definierter Bed\u00fcrfnisse sein, sondern die Achtung vor allem Leben und die R\u00fccksichtnahme auf die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen in ihrer \u00f6kologischen Nachhaltigkeit. Dazu geh\u00f6rt auch eine gerechtere Veteilung Lebensg\u00fcter zwischen Nord und S\u00fcd und zwischen Reichen und Armen, ohne die sich eine menschliche Gesellschaft nicht wirklich als human bezeichnen kann.<\/p>\n<p>Eine umfassende \u00f6kologische Neuorientierung der Politik setzt in Deutschland voraus, dass zun\u00e4chst im Grundgesetz das \u00f6kologische Handeln zum Staatsziel erkl\u00e4rt wird. Ich sage bewusst nicht \u201eUmweltschutz\u201c, da dies zu sehr an den technischen Umweltschutz als Reparatur der Industriegesellschaft erinnert, ohne dass dadurch grundlegende Ver\u00e4nderungen eintreten.<\/p>\n<p>\u00d6kologisches Handeln zum Staatsziel erkl\u00e4rt, w\u00fcrde bedeuten: jegliches staatliche Handeln, bei dem diese Voraussetzung nicht erf\u00fcllt w\u00e4re, st\u00fcnde im Widerspruch zum Grundgesetz und k\u00f6nnte somit als verfassungswidrig erkl\u00e4rt werden. Es zeichnet sich ab, dass wir zwar einen Umweltschutzartikel in das Grundgesetz bekommen werden, der aber relativ zahnlos bleiben wird.<\/p>\n<p>Nur eine \u00f6kologische Politik sichert unseren Kindern und Kindeskindern eine menschliche Zukunft!<\/p>\n<p>K\u00fcnftige Generationen werden nicht danach fragen, in welch astronomische H\u00f6hen wir das Bruttosozialprodukt getrieben haben und wieviel Atomkraftwerke wir gebaut haben, sondern danach, wieviel fruchtbares Land, trinkbares Wasser und Luft zum Atmen wir ihnen \u00fcbriggelassen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede des Vorsitzenden der Stiftung f\u00fcr \u00d6kologie und Demokratie e.V., Hans-Joachim Ritter, anl\u00e4sslich der \u00f6ffentlichen Gr\u00fcndungsveranstaltung am Oktober 1993 im Presseclub Bonn zum Thema \u201eSchl\u00e4gt die Natur bereits zur\u00fcck? \u2013 \u00d6kologische Konzepte braucht unser Land\u201c Weltweit stehen die Zeichen auf Sturm. 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